10 Jahre nach dem SBB-Blackout

Ein Stromunterbruch legte am 22. Juni 2005 das ganze Netz lahm - 200'000 Passagiere waren betroffen

Auch im Bahnhof Luzern brauchten am 22.Juni 2005, abends, Hunderte von Passagieren viel Geduld

Es war ein Super-Gau für die SBB: Am 22. Juni 2005 legte eine Strompanne im Tessin - und die darauf folgende Kettenreaktion -  den gesamten Schweizer Schienenverkehr lahm. Abends, von 17.30 Uhr bis 21.30 Uhr standen 2'000 Züge still, 200'000 Passagiere waren betroffen. 1'000 SBB-Angestellte waren als Hilfskräfte im Einsatz, um den Gestrandeten auf einem anderen Weg zum Ziel zu helfen. Ersatzbusse und Taxis fuhren die ganze Nacht, genauso wie die Züge selber, nachdem die Panne behoben war.

Ursprung der Panne war im Kanton Uri

Seinen Ursprung hatte der Zusammenbruch im Kanton Uri. Aufgrund von Bauarbeiten musste die SBB in Uri zwei Stromleitungen abschalten. Dabei ging man bei der SBB davon aus, dass die noch zur Verfügung stehende Leitung mehr belastet werden könnte, als tatsächlich der Fall war. Doch aufgrund von Überbelastung setzte eine Schutzabschaltung ein. Auch die letzte verbliebene Leitung fiel aus. Damit war der Stromtransport Richtung Norden komplett abgeschnitten. Im Tessin entstand eine Überbelastung, weil der Strom nicht mehr weitergeleitet werden konnte. Die Stromversorgung im Raum Uri/Tessin brach zusammen. Von diesem Moment an wurde falsch reagiert.

6 Millionen Franken Schaden

Für die SBB wurde die Panne zu einer teuren Angelegenheit, die technischen Arbeiten, die fahrenden Ersatzlösungen, Hotelübernachtungen und andere Passagier-Ansprüche kosteten insgesamt 6 Millionen Franken.  Der damalige SBB-Chef Benedikt Weibel zeigte sich geschockt, man habe jahrelang allerlei Not-Szenarien durchgespielt und sei schliesslich vom Ausmass der Panne doch überrascht worden. Immerhin hatte der Gau vom 22.Juni 2005 auch sein Gutes: Der Ausbau des SBB-Stromnetzes wurde zügig vorangetrieben. Heute scheint es nicht mehr denkbar, dass ein Stromausfall auf einem kleinen Abschnitt den gesamten Schienenverkehr lahm legen könnte.

Audiofiles

  1. Vor zehn Jahren ging bei der SBB gar nichts mehr.. Audio: Urs Niedermann