Fall Malters: Privatkläger zieht Urteil weiter

Nun kommt der Fall vor das Kantonsgericht

Der Polizeieinsatz in Malters. Der Kommandant der Luzerner Polizei, Adi Achermann. Der Chef der Kriminalpolizei, Daniel Bussmann.

Der Fall Malters wird die Gerichte doch nochmals beschäftigen. Der Sohn der toten Frau hat sich in der Rolle des Privatklägers dafür entschieden, den Fall weiterzuziehen. Damit muss sich nun das Luzerner Kantonsgericht mit dem Fall befassen. Der ausserordentliche Staatsanwalt im Fall Malters hatte das Urteil des Krienser Bezirksgerichts zuvor akzeptiert.

Adi Achermann wie auch Daniel Bussmann waren im Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz in Malters im vergangenen Jahr wegen fahrlässiger Tötung angeklagt worden. Das Bezirksgericht Kriens sprach die beiden von diesem Vorwurf aber frei. Der ausserordentliche Staatsanwalt teilte am Freitagmorgen mit, dass er das Urteil akzeptiert und nicht weiterzieht. Kurz vor Ablauf der Berufungsfrist hat sich nun aber der Sohn des Opfers in seiner Rolle als Privatkläger dafür entschieden, das Urteil nicht zu akzeptieren. Dies teilte sein Anwalt auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA mit.

Begründung des Bezirksgerichts sei nicht nachvollziehbar

Die Begründung des Gerichts, das Handeln der Polizei habe unter Berücksichtigung der Chancen und Risiken des Polizeieinsatzes im Rahmen des ihr zustehenden Handlungsspielraums gehandelt, sei nicht nachvollziehbar, so der Anwalt Oskar Gysler. Es sei den Beschuldigten bekannt gewesen, dass der Polizeieinsatz mit erheblichen Risiken für das Leben der Verstorbenen verbunden gewesen war. Der Anwalt ist der Ansicht, dass mehrere, "nicht aussichtslose Handlungsalternativen" bestanden hätten. Beispielsweise das Weiterverhandeln durch die Polizei, die Weiterverhandlung unter Beizug einer Vertrauensperson oder das Gewähren der geforderten Bedenkfrist. Auch in zeitlicher Hinsicht bestand laut dem Anwalt "keine Dringlichkeit". Aus diesen Gründen bezeichnet er den Polizeieinsatz als "nicht verhältnismässig". Bereits im untenstehenden Interview mit der Nachrichtenagentur SDA am 19. Juni 2017 sagte der Anwalt des Sohnes, der Zugriff habe "viel zu früh" erfolgt, und erklärte, warum er einen Schuldspruch fordert.

Der Fall Malters wird somit zu einer Angelegenheit für das Kantonsgericht.