30 Jahre Schweiz ohne Armee

Als die Verlierer einer Abstimmung jubelten

Untauglich, zu teuer und ungerecht. Genau heute vor 30 Jahren, am 26. November 1989, hat das Schweizer Stimmvolk über die Abschaffung der Schweizer Armee abgestimmt. Über ein Drittel hatte damals zur Initiative der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee, kurz GSoA, «Ja» gesagt. Es war eine Abstimmung, die auch heute noch Folgen hat. 

Die Schweiz erlebte am 26. November vor 30 Jahren eine der denkwürdigsten Volksabstimmungen ihrer Geschichte. Die Folgen, die sich daraus ergaben, sind bis heute spürbar. Die Schweizer Armee hat sich seit dieser Zeit nämlich stark verändert. In Zahlen heisst das: Von 800'000 Personen im Militär sind es heute noch etwas über 140'000 Leute. Die Zahl soll noch tiefer gehen und irgendwann bei 100'000 Leuten sein. Ausserdem gibt der Bund heute weniger Geld aus. 1989 waren es 1.52 vom Bruttoinlandprodukt. Heute sind es weniger als die Hälfte, nämlich 0.68 Prozent. Heute hat der Bund fürs Militär ein Budget von 5 Milliarden Franken. In Zukunft soll es aber wieder mehr werden. Und dann noch der Zivildienst. Diesen gibt es seit 1996. Angefangen mit 96 Leuten sind es heute über 6200. Vor dem Zivildienst wanderte jeder, der den Militärdienst verweigerte ins Gefängnis. Oder er wurde schief angeschaut. 

Fast 70 Prozent Stimmbeteiligung

Eine Volksabstimmung, bei der die Verlierer lautstark jubeln. Unter ihnen der Zuger Jo Lang vom Initiativkomitee. Er wusste schon damals, dass in den Köpfen ein Umdenken stattgefunden hat. Interessant war auch die hohe Stimmbeteiligung, nämlich fast 70 Prozent. Wann hat eine Volksinitiative das letzte Mal so viele Leute an die Urne gebracht?

Die Schweizer Armee war zuvor eine «heilige Kuh», meint Jo Lang. Mit dieser Abstimmung galt sie nicht mehr als unantastbar. Der hohe Ja-Anteil schreibt er dem Wendejahr 1989 zu und dem Fall der Berliner Mauer, knapp drei Wochen vor der Abstimmung.

 

GSoA: Gruppe für eine Schweiz ohne Armee