9 Opfer von Hanau haben Migrationshintergrund

Rechtsterrorismus in Deutschland

Nach Schüssen in der hessischen Stadt Hanau sind acht Menschen tot. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot im Einsatz.

Der Todesschütze von Hanau hat neun Menschen mit Migrationshintergrund getötet – und seine Mutter. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag zudem aus Sicherheitskreisen erfuhr, haben vier der fünf Verletzten ausländische Wurzeln.

Die Türkisch-Islamische Union Ditib hat den mutmasslich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag in Hanau als Angriff auf Migranten und Muslime verurteilt. Die «seelische, emotionale und gesellschaftliche Verwundung» nach dem tödlichen Terror sei schwer, betonten der Ditib-Bundesverband und der Landesverband Hessen in einer gemeinsamen Erklärung. «Sie trifft Migrantinnen und Migranten, Musliminnen und Muslime bis ins tiefste Mark.»

Immer unerträglicher für Moscheegemeinde

In den letzten Jahren sei es für die Moscheegemeinden in Deutschland «immer unerträglicher» geworden, kritisierte der grösste Islamverband in Deutschland. In Politik und Gesellschaft seien «rassistische und antimuslimische Statements unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit probates Mittel zur Stimmungsmache» geworden. Es habe zahlreiche Attacken gegen Muslime gegeben. Nach einer jüngsten Serie von Bombendrohungen stehe man vor dem «traurigsten anzunehmenden Höhepunkt einer gesellschaftlichen Entgleisung».

Die Ditib forderte: «Die Sicherheitsbehörden sind nun in besonderer Verantwortung, das empfindlich gestörte gesellschaftliche Sicherheitsempfinden wieder herzustellen.» Neun der zehn Opfer des Todesschützen haben nach Angaben aus Sicherheitskreisen einen Migrationshintergrund, einige sollen türkische Staatsbürger sein.

Generalinventur gegen rechten Terror

Als Reaktion auf die mutmasslich rechtsradikal motivierten Gewalttaten von Hanau hat der FDP-Chef Christian Lindner eine «Generalinventur aller bestehenden und geplanten Massnahmen gegen den rechten Terrorismus» verlangt. «Wir müssen prüfen, ob unsere Sicherheitsbehörden bereits in richtiger Weise aufgestellt sind, um der wachsenden Gefahr des rechten Terrors begegnen zu können», sagte er am Donnerstag in Berlin. «Es kann kein "Weiter so" geben», betonte Lindner.

(Quelle: dpa)