Florida: Sand, Strand und endlose Partynächte

Florida: Sand, Strand und endlose Partynächte

Einfach mal das Leben geniessen, Wärme tanken oder den Schönen und Reichen zusehen? Da gibt es nur eines: Ab nach Florida.

 

Zurzeit spielt das Wetter zwar auch in Florida verrückt – es ist ungewöhnlich kühl –, aber normalerweise ist es im südlichsten Zipfel der USA das ganze Jahr über angenehm warm. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum sich Florida bei Amerikanern und ausländischen Touristen grosser Beliebtheit erfreut: Wer nicht weiss, was er mit seinem Leben anfangen soll, der kommt nach Florida. Wer seine Beziehung beendet, den Job gekündigt hat, der kommt nach Florida. Ebenso, wer eine Auszeit braucht oder einfach das Leben geniessen möchte, zieht es hierher.


1770 Kilometer Sandstrand

Florida ist voller Klischees. Kein Amerikaner, der nicht ein paar Halbwahrheiten über den südlichsten Zipfel seines Landes zu erzählen wüsste. Die eben genannten Aussagen stammen von Ron, einem 47-jährigen Versicherungsangestellten aus New York. Er hat seine Zelte im Norden abgebrochen, um hier im Sunshine-State mal eine Zeit lang «einfach nichts» zu tun, wie er mit einem Lächeln sagt. Sein Leben ordnen, auf neue Gedanken kommen, Bekanntschaften schliessen, Zukunftspläne schmieden. Kaum irgendwo gelingt dies wohl besser als im südlichsten aller US-Bundesstaaten. 350 Sonnentage pro Jahr und 1770 Kilometer Sandstrand – wo sollte man sonst aus dem Alltag ausbrechen?

Als ich Ron treffe, ist es 1 Uhr morgens. Ich lasse gerade meine Beine in einem kleinen Whirlpool baumeln und trinke ein einheimisches Ice-Light-Beer. Eine willkommene Erfrischung. Denn erst viel später als geplant bin ich mit meinem Reisebegleiter, einem Journalistenkollegen aus der Schweiz, in «Gram’s Place» angekommen. Es sollte das mit Abstand kleinste und bescheidenste Hostel bleiben, in dem wir auf unserer dreiwöchigen Reise absteigen. Und doch ist es eines der charmantesten. Gefunden erst nach stundenlanger Irrfahrt durch die kleinen Vororte Tampas, im Südwesten Floridas.

«Gram’s Place» ist ein kleines zweigeschossiges Häuschen, das von den Besitzern in liebevoller Arbeit um eine kleine Aussenbar und den besagten Whirlpool erweitert wurde. Die Handvoll Zimmer sind verschiedenen Musikstilen gewidmet. Da gibt es etwa das Rock-Zimmer, das an jenem Abend bereits besetzt ist, das Blues-Zimmer oder das Jazz-Zimmer – unseres. Mit hölzernem Kajütenbett, lauter Klimaanlage, einer Toilette mit hölzernem Deckel – und einer alten Jazzgitarre an der Wand.

 

Paradies für Surfer
«Gram’s Place» bedeutete für uns Halbzeit. Halbzeit auf einer dreiwöchigen Reise, die wir vor zehn Tagen in Fort Lauderdale begonnen hatten. Vom «Venedig Amerikas» aus, wie die schöne Küstenstadt aufgrund ihrer unzähligen Kanäle genannt wird, ging die Fahrt im Cabrio der Küste entlang, hinauf Richtung Cocoa-Beach. 

Schöne Sandstrände hatten wir dort, in Floridas Surfer-Metropole, vorgefunden. Und einige der grössten Surf-Shops des Landes. Von waghalsigen Wellenreitern oder der Heerschar von Surfergirls, von denen uns gelegentlich vorgeschwärmt wurde, fehlte allerdings jede Spur. Wir waren zu spät, die Zeit der Surfer war bereits vorbei.

Die ist im Frühling – nicht im Sommer. So zog es uns weiter nach Orlando, der mit 230 000 Einwohnern fünftgrössten Stadt Floridas. Zeit für Nachtleben und Vergnügungsparks. Zeit auch, um sich in einer sündhaft teuren Suite des stadtbekannten Hard-Rock-Hotels mal wie einer der Millionäre zu fühlen, von denen es in Florida so viele gibt. Gleich drei grosse Vergnügungsparks buhlen in Orlando um die Gunst der Besucher: Disney World, Islands of Adventure und die Universal Studios. Eines haben sie gemeinsam: Sie sind gross – und teuer. Zwischen 80 und 120 Dollar kostet der Eintritt. Dafür hat man auf den spektakulären Achterbahnen, in den Themenparks oder inmitten nachgebauter Filmkulissen jede Menge Spass. Zumindest in der Nebensaison von Juli bis Ende Jahr, wo die Parks in der Regel nicht hoffnungslos überlaufen sind.

 

Der schönste Strand
Wer im Südwesten Halt macht und auf einen weiteren spektakulären Vergnügungspark, die Bush Gardens, verzichten kann, der sollte am besten direkt den Clearwater-Beach ansteuern.

Der kilometerlange, vor dem Festland vorgelagerte Sandstreifen gilt als einer der schönsten Strände der USA. Das Wasser am Golf von Mexiko ist in diesem Abschnitt gut und gerne 35 Grad warm und der weisse Sand dermassen fein, dass man ihn in den kleinsten Ritzen seines Strandrucksacks noch wochenlang als Souvenir mit sich trägt.

Mehrere Restaurants befinden sich direkt am Strand. In einem davon steht geschrieben: «There is no place like this place anywhere near this place. So this must be the place.» Sitzt man dort abends bei Sonnenuntergang auf der Terrasse und guckt aufs offene Meer, kann man wahrlich nur mit dem Kopf nicken. Der Clearwater-Beach ist tatsächlich ein besonderer Fleck.


Über das Wetter reden

Im kleinen Whirlpool des «Gram’s Place» hat sich die Runde gegen zwei Uhr morgens erweitert. Zwei Amerikaner, die gerade auf der Durchreise sind, haben sich zu uns gesellt. Sie reden übers Wetter – und über Politik.

Von Politik spricht auf Key West, der nächsten Station auf unserer Reise, niemand. In der südlichsten Stadt der USA, nur gerade 90 Seemeilen vom kubanischen Festland entfernt, ist alles anders als im Rest des Landes. Bunter, schräger, ausgelassener einerseits. Ruhiger, entspannter und romantischer andererseits. Hier fahnden Schatzsucher nach längst versunkenen Piratenschiffen. Verliebte sitzen abends an der Küste, um sich bei spektakulären Sonnenuntergängen in den Armen zu liegen. Und Nachtschwärmer erkunden die unzähligen Bars.

Reich an Erfahrungen, Eindrücken und neuen Bekanntschaften führt unsere Reise weiter nach Hollywood, wo sich das einzige Casino Floridas befindet, und schliesslich in die Party-Metropole Miami. Wer hier in den bekannten Clubs der Stadt feiern will, braucht nicht nur ein gut gefülltes Portemonnaie und viel Geduld in den Warteschlangen am Eingang, sondern vor allem auch weibliche Begleitung. Männer ohne Frauen im Schlepptau haben in Miami einen schweren Stand.

Die bekannteste aller Städte Floridas hat allerdings noch viel mehr zu bieten als bloss ihr Nachtleben. Etwa den weltbekannten South Beach, die Spanish Quarters oder den Ocean-Drive. Miami pulsiert. Miami fesselt. Miami strengt aber auch an. So bin ich nicht unglücklich, dass unsere Reise nicht hier, sondern im nahe gelegenen, entspannten Fort Lauderdale endet. Dort, wo sie begonnen hatte. Und dort, wo uns nun klar ist: Wer grossartige Ferien geniessen will, der kommt nach Florida.

 

Pascal Imbach

Hinweis: Diese Reise wurde ermöglicht durch Boa Lingua Schweiz.

 

Was man sehen und wissen muss:

 

Ausgang:
Blue Martini, Fort Lauderdale. Die bekannteste Bar der Stadt ist ebenso Party-Treffpunkt für Studenten wie auch Hotspot der Reichen, Schönen und Skurrilen.


Flanieren:
Spanish-Quarters, Miami. Lassen Sie sich am Espanola
Way von der ganzen kulturellen Vielfalt der Südstaatenmetropole
inspirieren.


Strand:

Clearwater-Beach. Der Strand im gleichnamigen Ort nahe der Stadt Tampa im Südwesten ist schlicht grossartig.

Unterwasser:
Key West. Zu moderaten Preisen kann man in Key West oder Key Largo einige der schönsten Riffe der USA erkunden – mit Schnorchel oder Tauchausrüstung.

Ruhe:

Naples/Fort Myers. Die beiden Orte an der Westküste Floridas bieten abgelegene Strandabschnitte, wunderbare Sonnenuntergänge und viel, viel Ruhe.

 

Reiseführer gibt es viele. Wer in Florida nach Hotels, Hostels, Pensionen oder einem Bed-&-Breakfast-Zimmer sucht, der verlässt sich am besten auf «Lonely Planet». Dieser Reiseführer wird regelmässig überarbeitet und bietet eine Vielzahl echter Geheimtipps.

 

 

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09.09.2010, 16:00 Uhr

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