Jetzt purzeln sie wieder, die Preise. Wir geben Tipps, wie man die Schnäppchenjagd nicht nur heil übersteht, sondern auch zu einem echten Erfolgserlebnis macht.
1. Du sollst bequeme, leicht ausziehbare Kleider tragen
Die Umkleidekabinen sind voll und die Versuchung gross – aber wer Kleider kauft, ohne sie zu probieren, tut sich meist keinen Gefallen. Selbst wer eine «unkomplizierte» Figur hat, kommt mit einem Blindkauf nicht durch, weil Ausverkaufsware oft gerade deshalb heruntergesetzt wird, weil sie einen besonderen Schnitt hat. Deshalb gilt: Machen Sie das Probieren so angenehm und schnell als möglich. Tragen Sie wenige, leicht ausziehbare Schichten. Rollkragenpullis (Frisurkiller), Schnürstiefel (Zeitfresser) und Paillettenbesetztes (Verheddergefahr) sind tabu.
2. Du sollst die richtige Unterwäsche tragen
Gut. Streng genommen könnte man diesen Punkt auch unter dem ersten Gebot ausführen. Weil er aber so wichtig ist, verdient er einen eigenen Abschnitt. Machen Sie, bevor Sie von zu Hause losziehen, einen kurzen Check-up, ob Sie die optimale Unterwäsche gewählt haben. Die perfekte zeichnet sich nicht unter Kleidern ab und ist auch ansehnlich genug, damit Sie notfalls auch ein paar Schritte ausserhalb der Garderobe ohne Scham-Attacke überleben oder bei krasser Garderoben-Not mal was versteckt hinter einem Kleiderständer probieren können.
3. Du sollst nicht hungrig losziehen
Einkaufen ist überraschend anstrengend: Shopping braucht ähnlich viele Kalorien wie andere schöne Sachen wie zum Beispiel Yoga, Heimwerken oder Sex. Entsprechend sollten Sie für eine ausreichende Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr sorgen. Wichtig ist vor allem auch Letzteres, weil Heizungen und Scheinwerfer für unangenehm trockene Luft in den meisten Läden sorgen.
4. Du sollst gezielt vorgehen
Eine erfolgreiche Schnäppchenjagd ist nicht einfach nur Gnade der Rabattgötter. Es kommt auch auf die richtige Vorbereitung an. Wer gezielt sein Hab und Gut erweitern möchte, sollte zuerst einmal wissen, was er zu Hause hat. Also ab zur Inventur. Dabei hilft es, das Augenmerk auf Lieblingsstücke zu richten, damit man so den Weg für Ähnliches ebnen kann. Oder dann aber Fehlkäufe identifizieren – und natürlich möglichst gleich aussortieren.
Wer seine Hausaufgaben ganz gründlich machen möchte, macht schon vor den Festtagen eine Tour durch die Läden. So kann man eine allfällige Beute bereits identifizieren und dann katzenhaft zuschlagen, sobald sie rabattmässig zu lahmen beginnt und zum schwächsten Glied in der Herde wird. Durch vorgängiges Rekognoszieren spart man sich zudem den Gang in Geschäfte, die so oder so nichts bieten.
Als weitere gute Vorbereitung bietet es sich an, den gängigen Preisrahmen für Wunschprodukte abzuklären. So sitzt man keinen falschen Schnäppchen auf, die zwar mit einer grosszügigen Reduktion locken, aber von vornherein überteuert waren.
5. Du sollst keine Dinge kaufen, nur weil sie heruntergesetzt sind
50 oder mehr Prozent – kann so ein Kauf Sünde sein? Allein das Geld, das man bei so einer Reduktion spart.» Viele Kunden belügen sich beim Anblick der ersten roten Preise schlicht selber. Folgende drei Leitfragen bieten Orientierungshilfe, wenn es um den wahren Wert von Produkten geht:
• Will ich es wirklich, wirklich?
• Passt es/Funktioniert es?
• Ist der Preis fair?
Mit diesen Schlüsselfragen lassen sich praktisch alle Fehlkäufe vermeiden. Sie verhindern, dass ungewollte Dinge das Konto und auch das Platzangebot zu Hause strapazieren. Schliesslich kann ein Schuh noch so schön und noch so günstig sein – wenn er nicht perfekt passt, ist er nutzlos. Ähnliches gilt für die spottbillige Zitruspresse – wenn das Ding nicht funktional ist, verstaubt es bald schneller im Schrank, als eine überreife Orange schimmeln kann.
6. Du sollst nicht kaufen, was du bereits hast
Gebot Nummer 6 ist artverwandt mit Gebot Nummer 5. Aber es verdient deshalb eine Extraerwähnung, weil es all jenen Produkten gewidmet ist, die man seltsamerweise gehäuft im Ausverkauf findet: Teller und Gläser in Grosspackungen (wann hatten Sie zum letzten Mal 14 Gäste?), Milchschäumer mit lausig schwachen Motoren, Bettgarnituren in derart grässlichen Farben und Mustern, dass Sie bald auf das Anzünden des Nachttischlämpleins verzichten, und so weiter. Sobald diese Dinge auf einen Wühltisch gepackt werden, üben sie plötzlich eine unerklärliche und unbändige Anziehungskraft aus und pulverisieren jegliche Raison. Die Chancen stehen gut, dass Sie ganz bestimmte, wunde Ausverkaufspunkte haben (diejenigen der Autorin sind Mützen und zu kleine Schuhe). Halten Sie bei diesen Produkten extra grosse Zurückhaltung, und klammern Sie sich an Gebot Nummer 5. Oder entsorgen Sie das Zeugs schamvoll im Februar. Sie haben die Wahl.
7. Du sollst nett sein
Zur Frau am Wühltisch, die es auf dasselbe Stück abgesehen hat (nein, Sie werden ohne diesen Schal nicht sterben. Ja, Sie finden etwas anderes Schönes) und vor allem auch zum Verkaufspersonal. Die Damen und Herren im Detailhandel leisten in diesen Tagen Schwerstarbeit. Honorieren Sie das bitte.
8. Du sollst die neue Ware nicht ignorieren
Verhalten Sie sich nicht wie ein Bluthund, der aufgrund der Rabattfährte keine Augen mehr für andere Dinge hat. In den meisten Läden werden schon in diesen Tagen die Frühlingskollektionen aufgebaut. Werfen Sie auch darauf einen Blick. Die Mode der kommenden Saison gibt Ihnen eine Idee davon, was Sie vom Ausverkauf in die nächste Jahreszeit hinüberretten können. Und gerade wer «Randgrössen» trägt, also zum Beispiel besonders grosse oder kleine Füsse hat, ist oft schlicht gezwungen, bei der ersten Lieferung zuzuschlagen. Machen Sie sich kein Gewissen, wenn Sie in der Ausverkaufszeit etwas zum vollen Preis kaufen. Lieber ein geliebtes Stück zum vollen Preis, als drei Dinge aus dem Ausverkauf, die Ihnen bald älter als alt vorkommen.
9. Du sollst das Internet nicht ignorieren
Ein nutzloser Rat, wenn Sie sich auch um des Shoppingerlebnisses Willen in die Stadt gestürzt haben. Wenn Sie aber aus purer Sparmotivation in den Ausverkauf segeln, lohnt es sich, eine Internetbestellung zu erwägen. Seiten wie www.preisvergleich.ch oder www.toppreise.ch helfen auf der Suche nach dem günstigsten Anbieter.
10. Du sollst niemanden mitschleppen, der nicht mitshoppen will
Einkaufen macht zu zweit nicht nur mehr Spass, oft ist man auch einfach dankbar für die Meinung einer Person, die finanziell nicht an einem Kauf interessiert ist. Denn Einkaufen ist wie Wandern. Es macht nur Spass, wenn es alle Beteiligten aus freien Stücken tun. Kinder haben in der Regel keinen Spass an Shopping, und es ist nichts als fair, sie einem Hütedienst zu überlassen. Ebenfalls als Begleiter ungeeignet sind die meisten Ehemänner und Freunde. Viele begeben sich vordergründig freiwillig mit ins Gedränge, sie tun das aber oft nur, weil sie sich vor einem drögen, einsamen Nachmittag auf der Couch fürchten. Sie in die Elektronik-Abteilung abzuschieben ist nur dann eine Option, wenn man mit dem neuen, riesigen Flatscreen leben kann, den sie dort mit grosser Wahrscheinlichkeit kaufen. Schnappen Sie sich Ihre liebste Shoppingfreundin, egal, ob das die Mama, die Schwester oder die Arbeitskollegin ist, und ziehen Sie zu zweit los.
Caroline Brändli