Die weibliche Natürlichkeit ist sein liebster Look

Die weibliche Natürlichkeit ist sein liebster Look

Eduardo Ferreira reist im Namen der Schönheit um die Welt. Der Make-up-Artist weiss: Frauen wollen alle nur das eine – Natürlichkeit. Hier verrät er seine besten Tricks.

 

Wenn einer über Schönheit Bescheid weiss, dann Eduardo Ferreira. Der 46-Jährige reist für die Make-up-Marke Bobbi Brown als «Director of Artistry» um die Welt. Er pendelt zwischen Europa, Afrika und dem Mittleren Osten und bringt nicht nur den Mitarbeiterinnen die neusten Techniken und Trends bei. Ferreira schminkt auch ganz normale Frauen, die, wie er sagt, seine grösste Inspiration sind. Bevor er erzählt, was hinter dem Geschäft mit der Schönheit steckt, zuerst seine wichtigste Botschaft: «Jede Frau ist schön!»

 

Wie entsteht eine Make-up-Kollektion?
«Am Anfang steht immer die Inspiration – und die kann manchmal aus den unerwartetsten Dingen kommen», sagt Eduardo Ferreira. «Bei der ‹Chrome Collection›, dem Festtagslook dieses Winters, waren es zum Beispiel ein paar metallisch glänzende Schuhe.» Die Trägerin der Schuhe, Firmengründerin Bobbi Brown, vermittelt dann ihre Idee der Abteilung für Produkteentwicklung. Die Looks werden anschliessend an den Modeschauen umgesetzt, und erst wenn Bobbi Brown jedes Produkt persönlich abgesegnet hat, kommt eine Kollektion in die Läden. «Der ganze Prozess dauert zwei bis drei Jahre», sagt Ferreira. Wenn die «Chrome Collection» in diesen Tagen in die Läden kommt, ist er für die Profis schon fast Schnee von gestern, und ihre Antennen sind bereits für die Trends des Frühlings 2012 ausgestreckt.

 

Was macht schön?
Ferreira schminkt Jahr für Jahr unzählige Frauen. Vom praktisch makellosen Model bis zur 80-jährigen Kundin. «Wenn ich etwas weiss, dann, was nicht schön macht: nämlich einem falschen Ideal nachzujagen.» Ferreira mag nicht, wie wir heute Schönheit definieren. «Es gibt einfach viel zu viele Standards», so der Make-up-Artist.

«Die Leute versuchen alle, gleich auszusehen. Es gibt Wettbewerbe, die die schönsten Augen, Lippen oder die hübscheste Nase auszeichnen. Das ist doch absurd.» Diese Standardisierung erzeuge einen unglaublichen Druck, der die Leute schliesslich zum plastischen Chirurgen treibe. Und dort wüssten sie dann nicht mehr, wie und wann sie aufhören sollen. «Dabei ist Schönheit ein Gefühl. Schön ist, wer sich selbst ist und sich in seiner Haut wohl fühlt. Wir müssen die Leute auch mal durchschütteln und sagen: Hör auf, irgendwelchen Zielen nachzujagen. Sei du selbst. Du bist schön, wie du bist. Die eigene Schönheit zu sehen. Das macht schön.»

 

Was kann ich tun, wenn ich etwas in meinem Gesicht gar nicht mag?
«Konzentrieren Sie sich darauf, was Ihnen an sich gefällt, und betonen Sie das», rät Ferreira. «Viele Frauen stellen sich vor den Spiegel und suchen regelrecht nach einem Makel. Und wenn sie dann endlich diese eine Falte gefunden haben, sehen sie nur noch diesen Fehler.» Das sei doch schade, wenn man vor lauter Sorge über die schmaleren Lippen vergesse, dass man wunderschöne Augen, grossartige Haut oder eine tolle Nase habe.

«Aber wir von der Make-up-Industrie tragen sehr viel Schuld an der ganzen Misere: Wenn man ein Foto-Shooting macht, kann man mit Make-up, Licht und später mit der Bildbearbeitung am Computer wahre Wunder vollbringen. Aber das wahre Leben toleriert diese Tricks nicht. Deshalb müssen wir das, was schön ist, schöner machen.»

 

Braucht jede Frau Make-up?
«Natürlich», sagt Eduardo Ferreira lachend. «Nicht weil sie es unbedingt nötig hat, sondern weil es Spass macht.» Problematisch sei das nur, wenn die Leute das Gefühl hätten, sie könnten nur das Haus verlassen, wenn sie vorher eine Stunde vor dem Spiegel gestanden hätten. «Manchmal sind zwei Minuten für Mascara, Concealer und Lipgloss alles, was man braucht.»

 

Was bedeutet Schönheit in verschiedenen Ländern?
Ein Wunsch ist universell: «Alle Frauen wollen besser aussehen, wenn sie von unseren Verkaufsständen weglaufen», so Ferreira. Die Basis für die Erfüllung dieses Wunsches ist überall gleich: gepflegte, makellose Haut. Und da spielen richtige Foundation und Concealer eine entscheidende Rolle. Nur sehen darf man diese Dinge nicht. «Die Haut darf auf keinen Fall geschminkt aussehen», erklärt Ferreira.

«Ich finde es bemerkenswert, dass alle Frauen, egal wo auf der Welt ich arbeite, schlussendlich das Gleiche wollen, nämlich Natürlichkeit.» Was genau natürlich ist, ist aber laut Ferreira dann doch auch Ansichtssache: In nordischen Ländern, aber auch in der Schweiz oder in Deutschland wollen die Frauen einen zurückhaltenden Look. In Spanien, Portugal oder Südfrankreich mögen die Frauen kräftigere Farbakzente, in Russland dagegen Glitter und schimmernde Effekte.

 

Was ist sein liebster Look aller Zeiten?
«Natürlichkeit», antwortet Ferreira ohne Zögern. «Sie ist absolut zeitlos. Sie ist kein Trend, sondern eine Entwicklung.» Der Nudelook sei schon vor 20 Jahren modern gewesen (auch wenn man ihm damals noch nicht so gesagt hätte), und er werde es auch in 20 Jahren sein. «Farben sind wie Accessoires: Was angesagt ist, verändert sich. Aber die natürliche Schönheit einer makellosen Haut wird immer angesagt sein.»

Auch wenn er den Begriff «Schönheitsikone» nicht möge – bei einem Blick auf die schönen Frauen der Zeitgeschichte falle auf, wie einfach und natürlich ihr Make-up oft war. «Nehmen wir Audrey Hepburn. Ihr Look ist heute noch unglaublich aktuell. Und so ist auch mein liebster Look aller Zeiten klassisch: wunderbare Haut, unsichtbarer Concealer, frisches Blush, schön definierte Augenbrauen und einen klassischen Eyeliner. Und das Beste daran? Das kann jede Frau tragen.»

 

Welche Trends erwarten uns als Nächstes?
Im Winter stehen die Augen wieder im Fokus. Einer der wichtigsten Trends dieser Saison ist Layering, also das Schichten verschiedener Produkte. «Texturen werden immer wichtiger. Auf jeden Fall wichtiger als Farben», sagt Eduardo Ferreira. Vorbild für diesen Trend ist die Mode, bei der gerade verschiedene Stoffe, Kleiderschichten und Texturen überlagert und kombiniert werden.

Beim Make-up heisst das: Glitter, Schimmer, übereinander oder über matte Produkte gelegt. Aktuell sind vor allem Smokey Eyes, also rauchig umrandete Augen. Eduardo Ferreira: «In dieser Saison werden dafür aber keine matten, sondern schimmernde oder glitzernde Lidschatten verwendet.»

 

Caroline Brändli
 

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07.09.2010, 19:50 Uhr

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