Luzerner Stadtregierung will keine Bildkopien auf Kapellbrücke

Die Zuständigkeit der Bilder auf der Kapellbrücke soll gleich bleiben

78 der 111 Bilder wurden durch den Brand vor 21 Jahren zerstört Rund 30 Bilder fehlen in der MItte der Brücke, welche den Schweizergeschichtlichen Zyklus unterbricht Beispiel einer Kopie eines Originalbildes im Besitz von Jost Schumacher Beispiel einer Kopie eines Originalbildes im Besitz von Jost Schumacher Die Luzerner Kapellbrücke wurde in der Nacht vom 17. auf den 18. August 1993 ein Raub der Flammen. Brand der Kapellbrücke: Schadensbild, wie es sich aus der Luft präsentierte. Brand der Kapellbrücke 1993. Brand der Kapellbrücke: Verkohltes Gerippe am Morgen danach.

Die Luzerner Stadtregierung lehnt die Initiative „Die Bilder gehören auf die Kapellbrücke – Änderung der Zuständigkeit“ ab. Im August 2013 hatte ein Komitee besagte Initiative eingereicht. Das Komitee, geführt von den Jungen Freisinnigen Kanton Luzern, beabsichtigt mit der Initiative die, durch den Brand der Kapellbrücke vor knapp 21 Jahren, erstandenen Lücken in der Bildgalerie mit Kopien zu ergänzen. Diese Kopien sind bereits vorhanden. Um Kopien auf der denkmalgeschützten Kapellbrücke aufhängen zu können, muss die heutige Zuständigkeit der Hängeordnung von der Stadtregierung zum Stadtparlament übertragen werden. Die Stadtregierung ist jedoch der Meinung, die Hängeordnung soll ihre Aufgabe bleiben. Die Regierung verfüge mit den entsprechenden Dienststellen der Stadt über die nötige Fachkompetenz um die Originale auf der Brücke zu unterhalten. Diese fehle dem Parlament.

Bekenntnis zur Geschichte

Die Kapellbrücke fiel in der Nacht auf den 18. August 1993 einer Feuersbrunst zum Opfer. Der Brand zerstörte einen Grossteil der Brücke, unter anderem auch 78 der 111 berühmten Bilder. Nach dem Brand 1993 konnten die Überreste von 47 Bildern auf der Brücke geborgen werden. Die Bildgalerie in der Mitte der Brücke, also rund 30 Bilderrahmen, steht nun seit über 20 Jahren leer. Dies sei ein Bekenntnis zur Geschichte, sagt die Stadtluzerner Baudirektorin Manuela Jost: „Die Authentizität der Geschichte und des Brandes soll erlebbar sein und die Fragmente erkennbar bleiben.“

Bund und Kanton sind gegen Kopien

Der Eidgenössische Denkmalschutz sieht in seinen Satzungen vor, dass zuvor verloren gegangene Denkmäler nicht durch neue ersetzt werden sollen. Die Kapellbrücke wurde nach dem Brand jedoch schnellst möglichst wieder aufgebaut. Die 400-jährigen Bilder wurden aber nur teilweise restauriert. Darum sollten auch alle Bilder ersetzt werden, schreiben die Jungfreisinnigen Initianten in einer Mitteilung: „Wenn ein Ersatz zum Verständnis des Denkmals notwendig ist, wird die Komplettierung als sinnvoll erachtet. Dies betrifft auch alle Gibelbilder der Kapellbrücke, denn nur in der Gesamtheit aller Bilder ist der Schweizergeschichtlichen Zyklus lesbar.“

Qualität der Kopien mangelhaft

Die fehlenden Bilder der Bildergalerie der Kapellbrücke wurden bereits angefertigt. Die Kosten von rund zwei Millionen Franken übernahm Jost Schumacher, welcher auch Initiant des Komitees ist. Diese Kopien seien aber mangelhaft, sagt der Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner: „Die Bilder auf der Kapellbrücke sind einer starken Witterung ausgesetzt. Die Kopien sind von schlechter technischer Qualität, sodass sie innert weniger Monaten vergilben würden. Zudem entsprechen viele Kopien inhaltlich nicht den verbrannten Originalen. Die Kopien müssten nach rund zehn Monaten wieder heruntergenommen werden und restauriert werden.“

Künftige Entscheide

Das Stadtparlament befindet voraussichtlich am 25. September 2014 über die Initiative. Die Stadtluzerner Stimmberechtigten entscheiden voraussichtlich am 30. November 2014. Sagt das Volk ja zur Initiative steht die Stadt vor einem Rechtsstreit mit dem Bund, da dieser den Denkmalschutz der Kapellbrücke ohne aufgehängte Kopien rechtfertigt.

Audiofiles

  1. Sollen die fehlenden Bilder auf der Kapellbrücke durch Kopien ersetzt werden?. Audio: Lukas Keusch
  2. Die verschiedenen Meinungen im Pilatusland. Audio: Marco Zibung