Vemma will gegen schwarze Schafe vorgehen

Betroffene können ausserdem Beschwerde einreichen

Hans-Jörg "Happy" Hartmann (links) mit verschiedenen Zentralschweizer Vemma-Vermittlern. Grafik aus dem offiziellen "Action Plan" der Firma Vemma. Der Energy-Drink Verve - die Firma Vemma lockt Jugendliche mit einem dubiosen Vertriebssystem.

Das Unternehmen Vemma hat auf die jüngste Kritik an seinem Vertriebssystem reagiert. Im Raum Zentralschweiz treten verschiedentlich Vermittler der Firma auf, die weniger das Produkt, sondern mehr das lukrative Bonussystem bewerben. Dabei erinnert das System stark an ein illegales Schneeballsystem. Radio Pilatus berichtete bereits vergangene Woche über die Firma Vemma.

Undurchsichtiges System

Das System der Firma Vemma ist undurchsichtig. Es lässt sehr viel Spielraum offen. Klar ist, dass es in der Zentralschweiz immer wieder Treffen gibt, an denen Vemma-Vermittler, sogenannte Affiliates, das Vertriebssystem der Firma überschwenglich präsentieren. Der Zuhörer erhält das Gefühl, man könne das grosse Geld machen, ohne viel dafür zu tun. Dies bestätigten viele Jugendliche gegenüber Radio Pilatus.

"Red Bull gives you wings, Verve gives you Cash."

Auch bei Recherchen im Internet wird schnell deutlich, dass es vielen nicht um die Produkte, sondern um die Verdienstmöglichkeiten geht. So findet man nebst vielen Videoanleitungen zum Bonussystem auch zum Beispiel eindeutige Bilder auf denen beispielsweise steht: "Red Bull gives you wings, Verve gives you Cash" (Red Bull gibt dir Flügel, Verve gibt dir Geld).

"Red Bull gibt dir Flügel - Verve gibt dir Geld" "Red Bull soll dir Flügel geben - Verve gibt mir Geld"

Viel Geld verdienen mit wenig machen. Das klingt nicht schlecht. Die Frage ist nur, ob es im Fall von Vemma oder zumindest im Fall der gewissen Vemma-Vermittler legal ist oder nicht. Die Firma Vemma vertreibt unter anderem den Energydrink Verve und zwar mit Direktmarketing, also nicht über den Handel, sondern direkt und über Mund-zu-Mund-Werbung. So weit nicht verwerflich. Nur: Radio Pilatus weiss von vielen Vermittler von Vemma, die an Treffen in der Zentralschweiz vor allem mit dem lukrativen Bonussystem werben. Das Produkt ist Nebensache, sagt die 21-jährige Milla* (*Name der Redaktion bekannt) aus Emmenbrücke. Es wird einem vor allem erklärt, wie man am besten weitere Personen dazuholt, um möglichst viel Geld zu verdienen.

"Das Produkt ist Nebensache."

Das heisst, man soll neue Vermittler suchen und die dann auch wieder. Es entsteht eine Art Pyramide, mit der man nur gut verdient, je grösser die Pyramide wird. Und das ist in der Regel illegal. Milla zeigte uns auch ein Chat-Protokoll aus dem Facebook. Der erste Satz nach ihrer Anmeldung bei Vemma war folgender: "Herzlichen Glückwunsch zu deiner Entscheidung, selbst und bewusst über deine Zukunft, deine Träume und dein Leben zu bestimmen! Wir freuen uns mit dir gemeinsam bis an die Spitze zu gehen." Weiter unten im Protokoll heisst es: "Ich werde dir hier anschließend die ersten Schritte näher bringen, die dein Business ganz nach oben katapultieren werden."

"Wir freuen uns mit dir gemeinsam bis an die Spitze zu gehen."

Je mehr Vermittler und Kunden man hole, desto höcher steige man im Bonussystem von Vemma. Es gebe zum Beispiel den Bronze-, Silber-, Gold- und Diamond-Status, sagt Milla. Ausserdem wird mit teuren Autos als Bonus gelockt. Diejenigen mit höherem Status müssten immer weniger machen, da sie an den unteren Vermittlern verdienen. Eine Vermittlerin von Vemma in der Zentralschweiz ist Yvonne Reichmuth. Sie ist seit mehreren Jahren bei Vemma als Vermittlerin und wehrt sich gegen die schwarzen Schafe. Bei ihr ginge es immer nur um das gesunde Produkt.

"Es gibt immer schwarze Schafe."

Die Firma Vemma hat inzwischen offiziell reagiert und wehrt sich. Das System sei grundsätzlich nicht illegal, sagt Patrick Milo, Mediensprecher von Vemma Schweiz. Es gebe aber immer schwarze Schafe. Man werde gegen die unseriösen Vermittler vorgehen und diese suspendieren. Deshalb habe man auch ein Beschwerdemail eingerichtet. Ausserdem könnten Beschwerden auch via Kontaktformular gesendet werden.

"Wir werden gegen unseriöse Vermittler vorgehen."

Bereits suspendiert worden sei einer der Hauptreferenten Hans-Jörg "Happy" Hartmann. Dieser ist an vielen Vemma-Events als Referent aufgetreten. Hartmann ist aber kein unbeschriebens Blatt. Laut 20 Minuten wurde Hartmann im Jahr 2002 wegen Verstosses gegen das Lotteriegesetz bestraft. Zuvor hatte das Bundesamt für Justiz in diesem Zusammenhang vor einem „illegalen Schneeball-System“ gewarnt. Die entsprechende Medienmitteilung von 2001 liegt Radio Pilatus vor. Damals hatte Happy Hartmann einen Wundersaft aus Tahiti namens Noni vertrieben. Der Liter kostete rund 100 Franken. Der Saft wurde auch im schnellballartigen System vertrieben. Hartmann warb sogar mit Promis, die nichts davon wussten.

Vemma ist beim SECO bekannt

Beim Staatssekretariat für Wirtschaft SECO sind in diesem Jahr zwei Anfragen zu Vemma eingegangen, sagte Guido Sutter, Leiter Ressort Recht des SECO. Das SECO sei aber nicht befugt zu beurteilen, ob ein bestimmtes Geschäftsmodell legal oder illegal ist. Diese Beurteilung könne einzig ein zuständiges Gericht in einem entsprechenden Verfahren  vornehmen. Sutter sagt aber weiter: „Aufgrund der im Internet verfügbaren Informationen ist ersichtlich, dass es sich beim Geschäftsmodell der Vemma um ein Multi-Level-Marketing-System handelt, wobei die Anwerbung weiterer Personen eine zentrale Rolle zu spielen scheint“.

"Das SECO emfpiehlt Betroffenen eine Beschwerde zu machen."

Das SECO rate bei solchen Geschäftsmodellen sehr vorsichtig zu sein und bei Zweifel über die Rechtmässigkeit des Geschäftsmodells an diesem nicht teilzunehmen. „Teilnehmer am System können sich unter Umständen selber zivil- oder strafrechtlich verantwortlich machen, sollte sich das Geschäftsmodell als illegal erweisen“. Beim Staatssekretariat für Wirtschaft SECO empfiehlt man Betroffenen entweder eine Strafanzeige bei der Polizei zu machen oder eine Beschwerde beim SECO selber.

Audiofiles

  1. Die Firma Vemma reagiert auf die jüngste Kritik.. Audio: Matthias Oetterli
  2. Das Staatssekretariat SECO empfiehlt Betroffenen, eine Beschwerde zu machen.. Audio: Matthias Oetterli

Dokumente

  1. Beschwerdeformular des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO (SECO)