Weggis: Die abbruchgefährdeten Felsen werden abgetragen

Seit Mitte vergangener Woche wird der Fels im Gebiet Horlaui gesichert

Die Arbeit an der Wand - gesichert und von Hand den Fels abzuspitzen - ist ein Knochenjob. Die Felsformationen werden aber auch mit kleinen Baggern abgespitzt. Die Reporter beobachten das Geschehen aus sicherer Distanz. Der grösste Fels ist rund 13 Meter hoch und wankt bereits um bis 8 Milimeter. Deshalb wird er mit einem Turm von oben gesichert. Der zuständige Geologe Conradin Zahno erklärt die Schichtung des Untergrundes und des Felsens im Gebiet Horlaui in Weggis. Bauleiter Alois Käslin zeigt den zeitlichen Verlauf des Abbaus der instabilen Felsformationen grafisch auf. Das abgetragene Material (insgesamt rund 100 Kubik) wird gesammelt und für die Aufschüttung der abgerissenen Häuser wieder weiterverwendet. Die Bewohner eines Hauses wollen ihre Wohnungen nicht einfach verlassen. Sie haben eine Beschwerde eingereicht.

Mitte vergangene Woche haben die Abbauarbeiten der instabilen Felsformationen im Gebiet Horlaui in der Luzerner Gemeinde Weggis begonnen. Insgesamt sieben Felsen baut die Firma Gasser Felstechnik im Auftrag der Gemeinde bis Ende Oktober zurück. Der Polier der Felssicherung Urs von Bergen: „Wir spitzen die Felsen bis gut zwei Drittel der Höhe zurück und sicheren den untersten Drittel der Felsen mit Schutznetzen.“

„Körperlich ist die Arbeit auf jeden Fall streng.“

Diese Massnahmen kosten rund eine Million Franken und werden von Bund, Kanton Luzern und Gemeinde Weggis zu je einem Drittel übernommen. Diese Arbeiten deklariert die Gemeinde als „Sofortmassnahmen“.  Sicher ist das Gelände unterhalb der Felsformationen dadurch aber noch lange nicht, erklärt Baptist Lottenbach, Gemeindeammann von Weggis : „Eine Vollsicherung des Hanges wäre noch viel teurer. Dies könnten wir uns nicht leisten.“ Dies ist auch der Grund, dass die Bewohner von insgesamt fünf Häusern unterhalb der Felsformation Ende Juli ihre Wohnungen und Häuser verlassen mussten. Sie können auch nicht zurück, weil es zu gefährlich ist in diesem Gebiet zu wohnen.

Eine Beschwerde ist noch offen
Seit Anfang August gilt für die fünf Wohnhäuser ein dauerhaftes Betretungs- und Nutzungsverbot. Für vier der fünf Häuser hat die Gemeinde eine rechtskräftige Abbruchverfügung. Für das fünfte Haus sei noch ein Beschwerde offen, sagt Gemeindeammann Lottenbach: „Die Häuser werden Anfangs November zurückgebaut. Wenn die Beschwerde bis dann nicht zurückgezogen ist, muss das Kantonsgericht Luzern darüber entscheiden, ob die Bewohner wieder in ihr Haus zurück können.“ Die Bewohner verlangten, den Hang so zu sichern, dass die Risiken für das Haus und die Bewohner genügend klein wären. Den insgesamt zehn betroffenen Bewohnern der fünf Häuser zahlt die jeweilige Gebäudeversicherung den Neuhauswert aus. Dies sind total rund drei Millionen Franken. 

Kantonsstrasse auch gefährdet
Die Bewohner der betroffenen Häuser mussten ausziehen, da das Risiko sich in diesem Gebiet aufzuhalten, zu hoch ist. Was ist aber mit der am See – und damit auch unterhalb des Felsbandes – verlaufenden Kantonsstasse? Sind die Verkehrsteilnehmer dieser Route nicht auch diesem Risiko ausgesetzt? Der Weggiser Gemeindeammann Bapist Lottenbach hält dazu fest: „Es ist nicht gleiche Sicherheitsstufe. Das Risiko bei fahrenden Objekten ist viel kleiner, von einem Fels getroffen zu werden. Das Risiko, welche die Verkehrsteilnehmer auf diesem Stück der Kantonstrasse eingehen, haben sie an Hunderten anderen Strassenabschnitten in den Alpen auch.“ Natürlich werde der Hang auch weiterhin beobachtet, dass kein Unfall passiere, so Lottenbach weiter.

Geologischer Hintergrund
Der Hang hat eine lange Geschichte, in der es immer wieder zu Steinschlägen kam. Dazu gäbe es auch historische Dokumente und Zeitzeugen, bekräftigt der zuständige Geologe Conradin Zahno: „Die Felsbänder sind nicht homogene Massen. Sie sind aufgelockert und können mit Verwitterungen abstürzen, sodass es im Siedlungsgebiet zu grossen Sachschäden kommen kann.“