Kantonsgericht bestätigt Ibergeregg-Urteil

Polizist wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen

Das Hotel Passhöhe auf der Ibergeregg

Das Kantonsgericht Schwyz hat im Fall Ibergeregg einen Polizisten wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen. Es bestätigte damit das Urteil der Vorinstanz, erhöhte aber die bedingte Freiheitsstrafe von 15 auf 24 Monate. Die Staatsanwaltschaft hatte das Urteil weitergezogen und gefordert, den Polizisten wegen vorsätzlicher Tötung schuldig zu sprechen. Die Verteidigung verlangte einen Freispruch, weil sie der Ansicht ist, der Polizist habe in Notwehr gehandelt. 

Verhängnisvolle Nacht im September 2012
Der Vorfall ereignete sich am frühen Morgen des 12. September 2012. Der Polizist war mit einem Kollegen unterwegs, als er den Auftrag erhielt, nach gestohlenen Autos Ausschau zu halten. Diese waren im Kanton Uri gestohlen worden. Die beiden Polizisten folgten wenig später einem gestohlenen VW-Bus, eine Verfolgungsjagd gab es nicht. Auf der Ibergereggstrasse zwischen Schwyz und der Ibergeregg stoppte der Kleinbus bei einer engen Stelle, um ein entgegenkommendes Auto vorbeizulassen. Der beschuldigte Polizist stieg aus dem Auto und folgte dem Kleinbus, welcher wenig später vor einer roten Baustellenampel erneut stoppte.

Polizist schiesst Beifahrer in den Kopf
Als der Polizist den Kleinbus erreichte, riss er die Beifahrertür auf. In der anderen Hand hielt er seine Waffe. Als der Beifahrer daraufhin eine schnelle Bewegung machte, schoss der Polizist. Dabei durchbohrte die Kugel Kinn und Hals des Opfers und verletzte auch den Fahrer am Oberarm. Der Polizist gab an, er habe sich bedroht gefühlt. Er sei davon ausgegangen, dass die Fahrzeuginsassen einer gewaltbereiten, kriminellen Organisation angehörten. Er habe somit in Notwehr gehandelt und keine andere Wahl gehabt.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft unnötige Aktion
Anders sah das die Staatsanwaltschaft. Der Beschuldigte habe bei der Aktion polizeitaktische Regeln verletzt. Er habe einen Alleingang gestartet, obwohl Verstärkung unterwegs gewesen sei. Zudem sei er von den beiden unbewaffneten Opfern auch nicht angegriffen worden. Das Urteil des Schwyzer Kantonsgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Es kann noch an das Bundesgericht weitergezogen werden.