Nidwalden: Künftig nur noch eine Fremdsprache in den Primarschulen?

Das Stimmvolk entscheidet am 8. März über die SVP-Initiative

Im Kanton Nidwalden soll es an der Primarschule nur noch eine Fremdsprache geben. Dies verlangt eine Volksinitiative der Nidwaldner SVP. Die Kinder seien zunehmends überfordert, den Anforderungen der Schulinhalte gerecht zu werden, sagt SVP-Kantonsparlamentarier Christian Landolt gegenüber Radio Pilatus. „Bevor man eine zweite Fremdsprache lernt, muss man Deutsch richtig beherrschen – und dies ist seit längerem nicht mehr der Fall.“ Darum soll in der Primarschule an Stelle einer zweiten Fremdsprache, die Zeit in Deutsch und Mathematik investiert werden. „Von der Privatwirtschaft erhalten wir immer wieder die Rückmeldung, dass die Kenntnisse der Schüler in Deutsch und Mathe nach Abschluss der offiziellen Schulzeit zu schwach sind." Dies würde sich mit der Umsetzung der Initiative ändern, so Landolt weiter.

Nidwalden mit Insellösung

Das Nidwaldner Kantonsparlament ist nicht der Meinung der SVP. Es lehnte die Initiative mit 37 zu 17 Stimmen ab. Eine vehemente Gegnerin der Initiative ist SP-Kantonsparlamentarierin Susi Ettlin. Die Annahme der Initiative führe zur einer Insellösung für den Kanton Nidwalden, so Ettlin. „Wenn unsere Kinder eine weiterführende Schule in einem anderen Kanton besuchen wollen, sind sie klar im Nachteil.“

Falscher oder richtiger Zeitpunkt?

Beat Zemp, Präsident des Schweizer Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer, findet den Zeitpunkt der SVP-Initiative schlecht gewählt. „Bis im Sommer laufen die Abklärungen, welche Anforderungen Primarschüler erfüllen müssen, so dass eine Vereinheitlichung der Primarschulen in der Deutschschweiz stattfinden kann.“ Diese Abklärungen werden anschliessend als Bericht dem Bund vorgelegt. Sie sind Teil der Einführung des Lehrplans 21, welcher eine Harmonisierung der Volksschule in der Deutschschweiz vorsieht und ab Herbst 2017 fortlaufend in den Deutschweizer Schulen eingeführt werden soll. "Empfindet der Bund die Harmonisierung im Bereich der Fremdsprache als nicht genügend, wird er intervenieren", so Zemp weiter. „Präsentiert sich in Bezug auf die Sprachen ein zu grosser Flickenteppich, wird der Bund Nidwalden so oder so zurückpfeifen und diesen dazu drängen die zweite Fremdsprache wieder einzuführen.“

SVP widerspricht

Alles andere als ein schlecht gewählter Zeitpunkt, findet es der SVP-Kantonsparlamentarier Christian Landolt: „Jetzt – bevor der Lehrplan21 eingeführt wird, ist es wichtig, dass das Volk noch darüber entscheiden kann, wie es Fremdsprachen in der Primarschule bewertet.“

Audiofiles

  1. Nidwalden: Künftig nur noch eine Fremdsprache in den Primarschulen?. Audio: Lukas Keusch