«Frauen werden bei den Löhnen nicht diskriminiert»

Regelmässige Lohnanalysen bringen nichts

Corinne Fischer, Verwaltungsratspräsidentin Weinimporteur Bataillard in Rothenburg. Thomas Landolt, Inhaber Landolt & Mächler Consulting

Frauen sollen gleich viel verdienen wie Männer wenn sie den gleichen Beruf ausüben. Noch immer würden Frauen in der Arbeitswelt bei den Löhnen diskriminiert. Mit einem neuen Gesetz will der Bundesrat dies verbessern. Aber gibt es diese Lohnunterschiede wirklich?

Bereits seit 35 Jahren ist in der Verfassung der Grundsatz verankert, dass Frauen gleich viel verdienen sollen wie Männer. Natürlich sofern sie den gleichen Beruf ausüben. Dies sei jedoch bis heute nicht vollständig umgesetzt worden. Frauen würden im Schnitt bis zu einem Fünftel weniger verdienen, heisst es in der Vernehmlassung für ein neues Gleichstellungsgesetz.

Analysen sollen Lohngleichheit garantieren

Das Gleichstellungsgesetz soll so angepasst werden, dass Unternehmen in der Schweiz mit 50 oder mehr Mitarbeitern alle vier Jahre eine externe Lohnanalyse durchführen lassen müssen. So soll sichergestellt werden, dass es keine Lohndiskriminierung zwischen Frauen und Männern gibt. Solche Lohnanalysen bringen nichts, so der scheinbare Tenor zur Vernehmlassung, welche heute Donnerstag endet.

Thomas Landolt ist Inhaber des Unternehmens Landolt & Mächler Consulting. Seit Jahren führt sein Unternehmen solche Lohngleichheitsanalysen bei Unternehmen in der Zentralschweiz durch. Im vergangenen Jahr bei rund 550 Firmen. Seine Bilanz wiederspricht derjenigen des Bundesrats.

Eine Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau gibt es nicht. Die Differenzen, welche zum Teil tatsächlich vorhanden sind, seien simpel zu erklären, so Landolt. Beispielsweise mit der Berufserfahrung. Bei den Analysen von Landolt&Mächler konnte zwischen Mann und Frau lediglich ein Lohnunterschied von durchschnittlich zwei Prozent ausgemacht werden. 

Transparenz würde helfen

Auf die Frage wie Thomas Landolt zu völlig anderen Zahlen als der Bund kommt, hat er eine einfache Erklärung: Die Analysen welche das Bundesamt für Statistik durchführt sind viel oberflächlicher und weniger detailliert. Für Landolt wäre der einzige Nutzen einer Anpassung des Gleichstellungsgesetzes mit regelmässigen Lohnanalysen deshalb die Transparenz. So könnten nicht mehr komplett unterschiedliche Werte auftauchen und die Diskussion um die Lohngleichheit würde sich legen.

Ähnlich tönt dies auch bei den Unternehmen selber. Corinne Fischer ist Verwaltungsratspräsidentin der Bataillard AG in Rothenburg, einem der grössten Weinimporteure der Schweiz. Das Frauen weniger verdienen sollen als Männer sei unter den Unternehmen kein Thema.

«Ja, es gibt zwar Unterschiede, aber keine Diskriminierung»

Ob es Lohnungleichheiten in Unternehmen gibt beantwortet Corinne Fischer ganz offen: "Ja, es gibt Lohnunterschiede für ähnliche Stellen." Diese seien aber einfach erklärt. Meistens durch Erfahrung oder Qualifikation. Eine systematische Diskriminierung von Frauen bei den Löhnen gebe es aber nicht.

Heute würden Unternehmen Wert auf Qualität legen bei ihren Angestellten. Mitunteranderem deswegen sei eine Diskriminierung gar nicht mehr möglich. Ein wenig nach dem Motto: Qualität hat ihren Preis.

Deshalb liegt für Corinne Fischer die Problematik am Arbeitsplatz für Frauen ganz wo anders. Stichwort Chancengleichheit. Vielmehr sollten nämlich Teilzeit, Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeiten weiter gefördert werden. Dies würde Frauen zusätzliche Möglichkeiten bieten, besser in der Wirtschaft und der Arbeit zu bleiben, was unter dem Strich auch dem Staat mehr bringen würde als Kontrollen, so Fischer weiter.

Der Ball liegt jetzt wieder in Bundesbern

Vorerst bleibt auf politischer Ebene trotzdem die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau im Fokus. Nach dem heutigen Ende der Vernehmlassung wird sich nun der Bundesrat mit dem Gesetzesentwurf befassen, bevor das Parlament dann das letzte Wort hat. Dies wird allerdings noch ein paar Monate dauern.

Audiofiles

  1. Lohngleichheit zwischen Mann und Frau. Audio: Yanik Probst
  2. Bund und Gewerkschaften kritisieren die Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau. Audio: Yanik Probst