Was bringen längere Ladenöffnungszeiten?

Zwei Luzerner Detailhändler nehmen Stellung

Markus Gehrig, Inhaber Gehrig Drogerie und Farben AG André Bachmann, Inhaber Sphinx Lichttechnik AG

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  1. Längere Ladenöffnungszeiten: Was bringt's und was nicht?. Audio: Yanik Probst

Der Nationalrat hat in der laufenden Session über eine Vorlage für längere Ladenöffnungszeiten entschieden. Der Ständerat war zuvor mit Stichentscheid des Ratspräsidenten gar nicht auf die Vorlage eingetreten. Der Nationalrat hingegen schon. Die grosse Kammer sprach sich auch klar für die Vorlage aus. Nun geht das Geschäft wieder in den Ständerat. Was aber würde das neue Gesetz bringen?

Mit der Vorlage die aktuell in Bundesbern diskutiert wird, hätten die Geschäte in der Schweiz mehr Spielraum bei den Öffnungszeiten. Konkret würden damit schweizweit folgende Öffnungszeiten möglich:

Mo - Fr: 06.00 Uhr - 20.00 Uhr
Sa: 06.00 Uhr - 18.00 Uhr
So: geschlossen

 

Diese Ladenöffnungszeiten wären aber nicht zwingend für die Geschäfte, sondern freiwillig. Sie könnten also auch weiterhin die typischen Öffnungszeiten von 09.00 Uhr bis 18.30 Uhr haben.

Kanton Luzern stellte sich bislang gegen eine Lockerung

Trotzdem führt das Thema Ladenöffnungszeiten auch unter den Detailhändlern zu grossen Diskussionen. Besonders auch im Kanton Luzern. Mehrfach wurde im Kanton Luzern bereits über längere Ladenöffnungszeiten abgestimmt. Zuletzt sprach sich das Stimmvolk im Jahr 2013 gegen eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten aus.

Markus Gehrig ist Inhaber der Gehrig Drogerie und Farben AG in der Stadt Luzern. Ausserdem ist er im Vorstand des Detaillistenverbands Luzern. Seit Jahren wehrt sich Markus Gehrig auch gegen längere Ladenöffnungszeiten. Auch die neuste Vorlage aus Bundesbern lehnt er ab. Diese würde nichts bringen, im Gegenteil.

Nur die Grossen haben etwas davon

Profitieren würden lediglich die grossen Detailhändler wie Migros oder Coop von den längeren Ladenöffnungszeiten. Für die kleinen Geschäfte, wie etwa auch seine Drogerie, würde dies gar nichts bringen, so Markus Gehrig. Nur schon wegen den Kosten die längere Öffnungszeiten mit sich bringen würden. Schliesslich müsste er dann mehr Personal zur Verfügung haben, was nicht billig wäre. 

Ausserdem würden sich die zusätzlichen Kosten für Personal auch nicht rechnen, sagt Gehrig. Die Menschen die einkaufen gehen würden wegen den längeren Öffnungszeiten nicht mehr kaufen. Ihr Budget sei schliesslich das selbe. Sie würden es einfach über eine andere Zeitspanne hinweg ausgeben.

Längere Öffnungszeiten werden von Kunden gewünscht

Ganz anderst sieht dies André Bachmann. Er ist Geschäftsführer der Sphinx Lichttechnik AG und im Vorstand der Cityvereinigung Luzern. Für ihn ist klar, dass es eine Lockerung bei den Ladenöffnungszeiten braucht. Das Konsumverhalten habe sich verändert. Nach den Preisen würden die Kunden vor allem auf die Öffnungszeiten achten.

Vor allem der Kanton Luzern, welcher ein verhältnismässig strenges Ladenöffnungsgesetz hat, habe deshalb einen Nachteil. Kunden würden beispielsweise in den Länderpark nach Stans ausweichen oder gar noch weiter weg. Mit den längeren Öffnungszeiten würden mehr Einheimische das Shopping-Erlebnis auch wieder in Luzern nutzen.

Shoppen ist mehr als Milch und Brot einkaufen

Eingekauft werde ausserdem längst nicht mehr nur für den täglichen Bedarf, so André Bachmann weiter. Viel mehr sei es ein Happening, eine Freizeitbeschäftigung geworden. Vor allem die jüngere Generation würde shoppen beispielsweise auch gleich noch mit einem Kinobesuch verbinden. Deshalb könnten auch die Läden mehr profitieren, wenn sie am Abend länger offen hätten.

Die Vorlage über eine lockerung der Ladenöffnungszeiten geht nun erneut in den Ständerat. Am Ende dürfte jedoch so oder so das Schweizerstimmvolk entscheiden ob die Ladenöffnungszeiten in der Schweiz gelockert werden.