Dauerpause nach Beinbruch - das muss nicht sein

Im Büro Mails beantworten anstelle von Kisten schleppen

Aldo Kramis, Präsident der Ärztegesellschaft Luzern Felix Howald, Direktor Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ

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  1. Detaillierte Arbeitsunfähigkeitszeugnis im Kanton Luzern. Audio: Caspar van de Ven

Schönes Wetter, Ski fahren, Spitalbesuch. Kurz nicht aufgepasst und auf die Nase gefallen. Schneller als man denkt liegt man mit einem gebrochenen Bein zu Hause. Mit Arbeiten wird in den nächsten sechs Wochen nichts. Das muss aber nicht sein.

Ob beim Skifahren im Winter oder beim Grümpel-Turnier im Sommer: Unfälle passieren schneller als man denkt. Schon mit einem gebrochenen Bein muss dann sechs Wochen lang das Bett gehütet werden. Klingt am Anfang noch toll. Dürfte dann aber schnell langweilig werden. Mit dem detaillierten Arbeitsunfähigkeitszeugnis soll zumindest ein wenig gearbeitet werden können.

Bereits seit zwei Jahren gibt es das sogenannte detaillierte Arbeitsunfähigkeitszeugnis im Kanton Luzern. Ins Leben gerufen hat dies die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz ihz zusammen mit der Ärztegesellschaft. In anderen Kantonen gibt es solche Zeugnisse schon länger. Der Vorteil: Die Angaben sind viel genauer als beim üblichen Arztzeugnis.

Kisten schleppen Nein - am Computer sitzen Ja

Im detaillierten Arbeitsunfähigkeitszeugnis werden nicht nur die Dauer und der Grad der Arbeitsunfähigkeit genannt. Es wird auch angegeben welche Arbeiten ein Patient trotzdem machen kann. Aldo Kramis ist Präsident der Ärztegesellschaft Luzern und macht ein Beispiel: Ein Patient verletzt sich an der Schulter. Er würde theoretisch mehrere Monate ausfallen, da er schwere Dinge herumtragen muss. Mit dem detaillierten Arbeitsunfähigkeitszeugnis kann er aber schon viel eher wieder zur Arbeit. Darin wird nämlich festgelegt, dass er lediglich Überwachungs- oder Betreueraufgaben machen kann. Also zum Beispiel den Lehrling ausbilden und unterstützen.

Win-Win-Situation für Patient und Geschäft

Der verletzte Angestellte muss so nicht monatelang im Bett liegen und verliert den Anschluss in der Firma nicht. Das Unternehmen seinerseits profitiert ebenfalls, sagt Felix Howald, Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz ihz. Zum einen bleibe weniger Arbeit liegen und zum anderen spare das Unternehmen viel Geld. Das detaillierte Arbeitsunfähigkeitszeugnis kostet das Geschäft 65 Franken. Verglichen damit, was ein kompletter Ausfall des Patienten kostet, sei das praktisch nichts.

Wie kann ein solches Zeugnis ausgestellt werden?

Das detaillierte Arbeitsunfähigkeitszeugnis kann nur mit Einwilligung des Patienten ausgestellt werden. Der Patient muss seinem Chef die Bewilligung für ein solches Zeugnis geben. Anschliessend kann der behandelnde Arzt mit Patient und Arbeitgeber die Arbeiten definieren, die gemacht werden können.