Panama Papers: Auch in der Schweiz gibt es solche Briefkastenfirmen

Briefkastenfirmen sind grundsätzlich legal - Kriminelle nutzen sie aber häufig aus

Briefkästen irgendwo im Nirgendwo (Symbolbild)

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  1. Was sind Briefkastenfirmen?. Audio: Yanik Probst / Maik Wisler

Seit den Enthüllungen rund um die Panama Papers geben sie wieder zu reden: Die Briefkastenfirmen. Was aber genau sind Briefkastenfirmen? Wie funktionieren sie? Was daran ist überhaupt verboten? Radio Pilatus gibt diese Woche in der Sendung "D'Wertschaft im Pilatusland" antworten.

Es geht um fast 215'000 Briefkastenfirmen in Panama und anderen Süd- und Mittelamerikanischen Ländern. Durch ein Datenleck bei einer Anwaltskanzlei erhielt ein Team aus rund 400 Journalisten aus der ganzen Welt alle Informationen zu diesen Firmen. Mit teils höchst brisanten Inhalten. Es geht um dubiose Zahlungen und um verstecktes Geld. Darin verstrickt sind Promis und Spitzenpolitiker. Darunter der argentinische Fussball-Star Lionel Messi. Auch der russische Präsident Wladimir Putin soll irgendwie darin verwickelt sein.

Briefkastenfirmen gibt es auch zu genüge in der Schweiz
In der Schweiz gibt es die meisten Briefkastenfirmen im Kanton Zug. Gut 10'000 sind es aktuell. Sie sind auch nicht verboten. Aber oftmals umstritten. Eine Briefkastenfirma entsteht so: Ein Unternehmen aus dem Ausland (oftmals Dienstleistungsunternehmen wie PR-Agenturen) lassen sich in der Schweiz eintragen und gründen damit einen Firmensitz. Hier in der Schweiz verkauft das Unternehmen aber nichts. Die Geschäftstätigkeiten werden im Ausland gemacht. In der Schweiz sind lediglich die Verwaltungsaufgaben. Dazu gehören etwa Personal- und Finanzabteilung sowie Bankkonten. Weil das Unternehmen dann in der Schweiz eben auch keine Geschäftstätigkeit hat, profitiert es in fast jedem Kanton von einer Steuererleichterung, bezahlt also weniger Steuern als ein übliches Unternehmen. Diese Domizilgesellschaften sind das, was im Volksmund die Briefkastenfirma ist.

In der Schweiz muss ausserdem dann auch klar angegeben werden, wer hinter einer solchen Briefkastenfirma steht und woher das Geld kommt. Und genau das macht eben auch der Unterschied zu Steueroasen wie beispielsweise Panama aus. Dort wird das nicht so genau kontrolliert und ist auch nicht notwendig. In der Schweiz gibt es hingegen strenge Gesetze.

Um illegale Machenschaften mit Briefkastenfirmen in der Schweiz zu vermeiden, wird auch mit den ausländischen Steuerbehörden zusammengearbeitet. So bekommt die Schweiz auch die Infos zur Geschäftstätigkeit des Unternehmens, welche eben nicht in der Schweiz ist. Die eidgenössischen Behörden können sich so dann ein Bild machen. Allerdings ist die Schweiz halt eben auch auf die Informationen aus dem Ausland angewiesen. Kommen diese nicht, kann die Schweiz auch nichts von Unstimmigkeiten mitbekommen.

Delikte mit Briefkastenfirmen sind nichts besonders häufig
Die Nummer 1 in Sachen Briefkastenfirmen in der Schweiz ist der Kanton Zug. Auf Anfrage bei den Zuger Strafverfolgungsbehörden heisst es, dass es nicht auffällig viele Wirtschaftsdelikte bei Briefkastenfirmen gibt. Da der Kanton Zug generell sehr viele Unternehmen hat, gebe es zwar verhältnissmässig viele Wirtschaftsdelikte. Diese würden aber nicht ausserordentlich viel mit Briefkastenfirmen begangen, sagt Judith Aklin, Mediensprecherin der Zuger Strafverfolgungsbehörden gegenüber Radio Pilatus.