Luzerner Stadtratswahlen: Jungpolitiker drängen in die Exekutive

An der Podiumsveranstaltung zu den Stadtratswahlen sorgten die Jungen für Applaus

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  1. Auch Komiker Veri war an der Diskussion dabei. Audio: Maik Wisler

Die Luzerner Stadtregierungswahlen vom 1. Mai versprechen Spannung. Der Wahlkampf läuft bereits auf Hochtouren. An der grossen Podiumsveranstaltung zu den Stadtregierungswahlen wurde den Kandidatinnen und Kandidaten auf den Zahn gefühlt. Dabei haben die Jungpolitiker überrascht.

Am 1. Mai wählt die Bevölkerung der Stadt Luzern eine neue Stadtregierung und ein neues Parlament. Bildungsdirektorin Ursula Stämmer-Horst (SP) tritt als einzige von fünf amtierenden Stadträten nicht mehr an. Wie unbestritten ist der linke Sitz? Wie gross sind die Chancen der SVP für den erstmaligen Einzug in die Statregierung? Und was bringt der Angriff der SP auf das Stadtpräsidium?

Die Neue Luzerner Zeitung, Tele1 und Radio Pilatus haben am Montag, 11. April 2016, im Hotel Schweizerhof Luzern zum Podiumsgespräch mit allen elf Stadtratskandidatinnen und -Kandidaten geladen. Auch das zahlreich erschienene Publikum hat sich rege an der Diskussion beteiligt. Moderiert wurde der Anlass von Jérôme Martinu, stellvertretender Chefredaktor der Neuen Luzerner Zeitung und Michael Rauchenstein, Moderator beim Zentralschweizer Fernsehen Tele1.

Mehr als ein "Kuschelbär"

Die Podiumsveranstaltung startete den Kandidaten für das Amt des Luzerner Stadtpräsidenten. Stadtpräsident Stefan Roth (CVP), Beat Züsli (SP) und Rudolf Schweizer (parteilos) diskutierten über das Rollenverständnis des Stadtpräsidenten. Züsli blies sogleich zum Angriff auf Stadtpräsident Roth. Luzern brauche einen Stadtpräsidenten, der mehr sei als ein "Kuschelbär", forderte er etwa. Roth dagegen war der Meinung, dass ein Stadtpräsident nicht nur kompetent sein, sondern auch ein offenes Ohr haben müsse. Züsli kritisierte auch die Machtballung des Stadtpräsidenten, der gleichzeitig auch Finanzdirektor ist. Diese beiden Ämter wollte Züsli lieber getrennt sehen. Rudolf Schweizer sprach sich für eine Stärkung des sozialen Zusammenhaltes aus. Dann gehe es mit der Stadt Luzern und Umgebung automatisch bergauf, so Kandidat Schweizer.

Auch die Stadtfinanzen waren in der ersten Diskussionsgruppe ein Thema. Züsli sprach sich gegen überbordende Sparübungen aus, mahnte aber gleichzeitig zum haushälterischen Umgang in Bezug auf Projekte wie etwa die Salle Modulabe oder das Parkhaus Musegg. An diese Punkte schlossen denn auch die Fragen aus dem Publikum an, das sich rege an der Diskussion beteiligte. Dabei überwog die Ansicht, dass man mit dem Geld in der Stadt Luzern haushälterischer umgehen müsse.

Impressionen vom Wahlpodium zu den Luzerner Stadtratswahlen vom 1. Mai 2016 Impressionen vom Wahlpodium zu den Luzerner Stadtratswahlen vom 1. Mai 2016 Impressionen vom Wahlpodium zu den Luzerner Stadtratswahlen vom 1. Mai 2016 Impressionen vom Wahlpodium zu den Luzerner Stadtratswahlen vom 1. Mai 2016 Impressionen vom Wahlpodium zu den Luzerner Stadtratswahlen vom 1. Mai 2016 Impressionen vom Wahlpodium zu den Luzerner Stadtratswahlen vom 1. Mai 2016 Impressionen vom Wahlpodium zu den Luzerner Stadtratswahlen vom 1. Mai 2016 Impressionen vom Wahlpodium zu den Luzerner Stadtratswahlen vom 1. Mai 2016 Impressionen vom Wahlpodium zu den Luzerner Stadtratswahlen vom 1. Mai 2016 Impressionen vom Wahlpodium zu den Luzerner Stadtratswahlen vom 1. Mai 2016 Impressionen vom Wahlpodium zu den Luzerner Stadtratswahlen vom 1. Mai 2016 Podiumsveranstaltung zu den Luzerner Stadtratswahlen

Eine "Kulturkiste" ist genug

In der zweiten Diskussionsgruppe massen sich Stadtrat Martin Merki (FDP), Peter With (SVP), Yannick Gauch (JUSO) und Sina Khajjamian (Junge Grüne) in Sachen Kultur und Baupolitik. Zur Sprache kam vor allem das derzeit kontrovers diskutierte Projekt einer Salle Modulable. Hier sorgten die beiden Jungpolitiker Gauch und Khajjamian gleich von Beginn weg für spontanen Zwischenapplaus aus dem Publikum. Sie kritisierten etwa die gesellschaftliche Ausrichtung der Stadt Luzern, die immer mehr an Lebensqualität verliere und nachts wie ausgestorben wirke. 

Während sich Merki und With für die Chancen einer Salle Modulable aussprachen, machten sich die Jungpolitiker für ein Kulturangebot für alle stark. KKL und Salle Modulable würden sich vorwiegend an einige Wenige richten, die breite Bevölkerung hätte von den beiden grossen "Kulturkisten" nichts ausser hohen Kosten. Zum Thema Salle Modulable kamen aus dem Publikum überraschenderweise erst keine Fragen. Dann folgten einige bissige Kommentare von Zuschauern, die Sinn und Zweck der Salle Modulable auf dem Inseli und ganz generell in Frage stellten. So wurde etwa die Schenkung aus dem Nachlass von Mäzen Engelhorn als "vergiftetes Geschenk" bezeichnet.

Asiaten und Carparkplätze

Zuletzt diskutierten Stadtrat Adrian Borgula (Grüne), Stadträtin Manuela Jost (Grünliberale), Karin Stadelmann (JCVP) und Denis Kläfiger (BDP) über die städtische Wirtschaft und den Stadtverkehr. Auch hier sorgten die Jungpolitiker für wiederholten Applaus aus den Reihen des Publikums. Stadelmann und Kläfiger kritisierten vor allem die einseitige Ausrichtung der Tourismusindustrie auf Gäste aus Asien.

Eine auf die Schmuck- und Uhrenindustrie ausgerichteter einseitiger Tourismus, der von der Stadt auch noch gefördert werde, schaffe keinen Mehrwert, so Stadelmann. Im Gegenteil würde dies dem Branchenmix in der Stadt nur schaden. Kläfiger hob die seiner Ansicht nach negativen Auswirkungen einer einseitigen Tourismusindustrie auf die Verkehrssituation hervor.

Auch Borgula und Jost sprachen sich für Qualität im Tourismus aus. Man befürworte eine höhere Verweildauer insbesondere asiatischer Gäste. Es greife aber zu kurz, die Tourismusdestination Luzern nur auf Asiaten zu reduzieren. Schliesslich seien die meisten Gäste nachwievor nicht aus Asien, so Borgula. Auch Jost machte sich für eine weltoffene Stadt Luzern stark.

Als Spezialgast sorgte Kabarettist Thomas Lötscher alias Veri für Lacher. Als «Resümator» fasste er die Diskussionen jeweils auf scharfsinnig-süffisante Weise zusammen. Dem Publikum wie auch den Politikern hat es gefallen, wie die Reaktionen auf Nachfrage von Radio Pilatus zeigten.

Podiumsdiskussion verpasst? Hier geht es zur Aufzeichnung.