Bestätigt: Skyguide liess F/A-18 zu tief fliegen

Ob der Fehler der Skyguide der Grund für den Absturz war, ist nicht restlos geklärt

Zwei F/A-18-Jets im Einsatz (Symbolbild)

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  1. F/A-18 Absturz: Die Militärjustiz hat informiert. Audio: Franziska Boser

Die Flugsicherung Skyguide hat für den abgestürzten F/A-18-Kampfjet eine Flughöhe angeordnet, die für den Startsektor zu tief war. Die Militärjustiz bestätigte entsprechende Medienberichte aus den vergangenen Tagen. Ob der Fehler der Skyguide der Grund für den Absturz war, ist nicht restlos geklärt.

Die Berichterstattung der vergangenen Tage zum F/A-18-Absturz in der Sustenregion hat die Militärjustiz zu einer Klarstellung veranlasst. Sie teilte mit, dass die vorläufige Beweisaufnahme des militärischen Untersuchungsrichters bisher folgendes ergeben habe:

Am Montag, 29. August 2016 startete kurz nach 16.00 Uhr eine Patrouille mit zwei einsitzigen F/A-18-Kampfjets in einem Abstand von ca. 15 Sekunden vom Militärflugplatz Meiringen in östlicher Richtung. Ziel der Patrouille war ein Übungsgebiet der Luftwaffe im Gebiet Sustenhorn-Dammastock, wo eine Luftkampfübung mit einem F-5-Kampfjet hätte stattfinden sollen. Die Sustenregion war zu diesem Zeitpunkt wolkenverhangen, weshalb die Patrouille nicht im Sichtflug- sondern im Instrumentenflug startete. Dabei folgt der zweite Pilot (Trailer) dem vorderen Piloten (Leader) mit Hilfe seines Bordradars. Eine direkte Sichtverbindung zwischen den beiden Flugzeugen bestand nicht.

Radarkontakt brach ab

Wenige Minuten nach dem Start verlor der zweite Pilot den Radarkontakt zum Leader. Die Ursache dieses Kontaktverlusts ist Gegenstand der Untersuchung. Zu dieser Zeit befand sich der zweite Pilot immer noch in der Startphase des Fluges, welche von der Flugsicherung des Flugplatzes Meiringen überwacht wird. Diese wird von Skyguide im Auftrag der Luftwaffe betrieben. Der Pilot forderte darauf beim Flugverkehrsleiter in Meiringen die Freigabe einer Flughöhe an, auf der er weiterfliegen kann. Dieses Verhalten entspricht den geltenden reglementarischen Vorschriften für den Fall eines Abbruchs des Radarkontakts. Der Flugverkehrsleiter ordnete darauf eine Flughöhe von 10‘000 Fuss (ca. 3‘050 m.ü.M.) an. Unmittelbar danach übergab er das Flugzeug an die Flugsicherung in Dübendorf. Der Pilot schaltete darauf die Frequenz seines Funkgeräts auf diejenige der Flugsicherung in Dübendorf um.

Keine Hinweise auf Betätigung des Schleudersitzs

Kurz danach brach der Funkkontakt zum zweiten Piloten ab. Wie sich herausstellte, zerschellte das Flugzeug am Hinter Tierberg auf einer Höhe von ca. 3‘300 m.ü.M., wobei der 27-jährige Pilot ums Leben kam. Es gibt keine Hinweise, dass der Schleudersitz des Piloten betätigt worden ist. Wie die Untersuchung ergab, lag die vom Fluverkehrsleiter angeordnete Flughöhe tiefer als die sichere Mindestflughöhe, welche für diesen Startsektor 14‘300 Fuss (ca. 4‘360 m.ü.M.) beträgt. Weshalb der Flugverkehrsleiter diese zu tiefe Flughöhe anordnete und welchen Einfluss diese Anordnung auf den weiteren Verlauf des Fluges hatte, ist Gegenstand der Untersuchung. Ebenso wird untersucht, in welchem Zusammenhang die Reaktion des Piloten auf diese Anordnung mit dem Absturz steht.

Für einen Schluss auf die Unfallursache sei es zu früh

Bis zum heutigen Zeitpunkt gebe es keine Hinweise auf ein technisches Versagen oder auf einen Zusammenhang mit der Radaranlage des Militärflugplatzes Meiringen, heisst es in der Mitteilung der Militärjustiz. Bei der laufenden Untersuchung handle es sich um eine vorläufige Beweisaufnahme. Sie diene der Feststellung des Sachverhalts und richte sich nicht gegen bestimmte Personen. Die Untersuchung konzentriere sich zum heutigen Zeitpunkt nicht auf einzelne Sachverhaltselemente, sondern geht nach wie vor in alle Richtungen. Es sei noch zu früh, sich auf bestimmte Varianten des Unfallhergangs und der Unfallursache festzulegen. Der Umstand, dass voraussichtlich keine verwertbaren Daten des Flugdatenschreibers zur Verfügung stehen werden, werde zusätzliche Abklärungen erforderlich machen. Mit dem Abschluss der Untersuchungen könne deshalb nicht vor Jahresende gerechnet werden.