Der Kanton Zug erteilt der Mundartinitiative eine Abfuhr

Zuger setzen in der Primarschule weiterhin auf Hochdeutsch

Auf Schulbesuch in Oberägeri: Der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss. Wissensdurst in der Schule (Symbolbild) Das Regierungsgebäude in Zug

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  1. Der Kanton Zug erteilt der Mundartinitiative eine Abfuhr. Audio: David von Moos

Die Schweizer Mundart soll im Kindergarten und in der Primarschule nicht speziell gefördert werden. Die Zuger Stimmbevölkerung hat die Mundartinitiative der SVP bachab geschickt. Den Gegenvorschlag hat sie angenommen.

Das Anliegen der Zuger SVP hatte bei der Bevölkerung keine Chance. Sie hat Mundartinitiative mit einem Nein-Stimmen-Anteil von 60 Prozent deutlich abgelehnt. Mit ihrer Initiative "Ja zur Mundart" wollte die SVP des Kantons Zug , dass im Kindergarten ausschliesslich Schweizerdeutsch gesprochen wird - so wie dies früher der Fall war. Dasselbe sollte auch für gewisse Primarschulfächer wie Sport, Musik, Zeichnen und Werken gelten. Nach Ansicht der SVP fördert Mundart die Integration und müsse deshalb auch im Interesse der Ausländer gestärkt werden. Zudem sei Schweizerdeutsch ein Teil unserer Kultur und Identität.

Keine Überraschung

Die Argumente der SVP vermochten die Zuger Stimmbevölkerung nicht zu überzeugen. Die meisten Stimmberechtigten sind damit der Ansicht der Zuger Kantonsregierung und des Zuger Kantonsparlaments gefolgt. Eine Mundartpflicht weise in die falsche Richtung und sei eine rückwärtsgewandte Bildungspolitik, war sich eine Mehrheit der Zuger Kantonsparlamentarier schon vor der Abstimmung einig. Die Kinder müssten heute die Kompetenz besitzen, sowohl mündlich wie schriftlich auf Hochdeutsch kommunizieren zu können. Die SVP stand mit ihren Forderungen denn auch alleine auf weiter Flur. Im Vorfeld der Abstimmung hatten sich ausser der SVP alle Parteien gegen die Initiative ausgesprochen. 

Gegenvorschlag überzeugte

Im Gegensatz zur SVP wollte eine Mehrheit der Zugerinnen und Zuger das Hochdeutsch nicht gänzlich aus dem Kindergarten verbannen. Sie nahm den Gegenvorschlag zur Mundartinitiative mit 62 Prozent deutlich an. Der Gegenvorschlag wurde von einem überparteilichen Komitee von Grünen, CVP, SP und GLP ausgearbeitet und sieht einen Kompromiss vor. Im Kindergarten soll grundsätzlich Mundart gesprochen werden. In der Primarschule soll dann aber auf Hochdeutsch gewechselt werden. 

Ein gesetzliches Verbot der Schriftsprache im Kindergarten sei für den Spracherwerb nicht förderlich und enge unnötig ein, so die Ansicht des Komitees. Deshalb sollen von Anfang an beide Sprachen im Unterricht vertreten sein. Dies helfe den Kindern, eine solide Basis zu legen, um in der Schule und später im Beruf erfolgreich zu sein. Diese Idee hatte zuvor schon das Zuger Kantonsparlament überzeugt - es unterstützte den Gegenvorschlag mit 50 zu 17 Stimmen.