Weshalb die Schweiz teurer als das Ausland ist

Parallelimporte würden vieles billiger machen

Grenzübergang Moillesulaz im Kanton Genf

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  1. Wie funktionieren Parallelimporte und was bringen sie?. Audio: Yanik Probst

Viele Schweizerinnen und Schweizer gehen im Ausland einkaufen, weil es dort günstiger ist. Aber auch in der Schweiz könnten die Produkte günstiger sein. Die Lösung wären Parallelimporte

Internationale Unternehmen haben in der Schweiz jeweils einen Generalimporteur oder eine Zweigniederlassung. Diese verkaufen die Produkte des Konzerns an die einzelnen Geschäfte in der Schweiz weiter. Schuhe, Kleider, WC-Artikel usw. kosten in der Schweiz aber teilweise deutlich mehr als im Ausland.

Nicolas Diebold, Wirtschaftsrechtsprofessor an der Universität Luzern überrascht dies nicht. Die Schweizerinnen und Schweizer seien bereit, diese höheren Preise durch den sogenannten "Zuschlag Schweiz" zu bezahlen. Die Produzenten wüssten schliesslich, dass die Menschen in der Schweiz mehr Geld zur Verfügung haben und entsprechend würden sie diese höheren Preise bereits an den Generalimporteur in der Schweiz weitergeben.

Bei den Parallelimporten umgehen die Geschäfte den Schweizer Generalimporteur und kaufen die selben Produkte günstiger direkt bei einem Händler im Ausland, beispielsweise in Deutschland. Verboten ist dies nicht. Die Begeisterung bei den Herstellern für solche Einkäufe hält sich aber in Grenzen. Oft versuchen die Hersteller den Schweizer Geschäften dann den Lieferhahn abzudrehen.

Kartellgesetz verbietet Lieferverbot in die Schweiz

Trifft ein Produzent mit einem seiner Zwischenhändler im Ausland die Vereinbarung, dass dieser nicht in die Schweiz liefern darf, so verstösst dies grundsätzlich gegen das Kartellgesetz, erklärt Nicolas Diebold. Das Problem für die Schweizer Behörden: Eine solche Abmachung ist kaum nachzuweisen. Hersteller und Händler schreiben sich dafür keine E-Mails, die alles belegen. 

Fliegt eine solche Abmachung doch auf, so wird das Unternehmen, respektive die Schweizer Niederlassung, mit hohen Bussen bestraft. Als Beispiele nennt Diebold BMW und Nikon. Der Fotoapparate-Hersteller musste in der Schweiz eine Busse von zwölf Millionen Franken bezahlen. Der deutsche Autohersteller BMW sogar 156 Millionen Franken.

Politik will Parallelimporte fördern

Parallelimporte sind in der Schweiz auf politischer Ebene grundsätzlich sehr erwünscht. Mehrere Vorstösse und Initiativen zum Thema durchlaufen derzeit die politischen Instanzen. Das einzige Problem ist laut Nicolas Diebold, dass ein Schweizer Gesetz im Ausland gar keine Wirkung hätte. Für Diebold müsste die einzelnen Geschäfte viel mehr Druck auf den Hersteller machen. Bislang gibt es in der Schweiz noch nicht all zu viele grössere Unternehmen, die Parallelimporte betreiben. Würden jedoch mehrere grosse Unternhemen dies tun, so könnte dies gemäss Diebold die Hersteller unter Druck setzen, an den Preisen zu schrauben.