Kaiserschnitt-Risiko wird von Müttern an Töchter vererbt

Grund dafür ist laut den Forschern ein «Fitness-Dilemma»

Baby im Spital (Symbolbild)

Mädchen, die per Kaiserschnitt das Licht der Welt erblickt haben, werden später selbst mit mehr als doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit auf die gleiche Art gebären.

Forscher der Universität Wien haben herausgefunden, dass bei Frauen, die selbst wegen eines Becken-Kopf-Missverhältnisses durch Kaiserschnitt auf die Welt kamen, ein solches 2,8 mal so oft bei der Geburt ihrer eigenen Kinder vorliegt. Dies im Vergleich zu Frauen, die auf "natürlichem" Weg geboren wurden. Bei ihnen passt nämlich der Kopf des Babys seltener durch den Geburtskanal, berichten die Forschenden im Fachjournal "PNAS".

Bereits im Vorjahr haben die Forscher eine Studie veröffentlicht, wieso die Rate an Geburtsproblemen bei Menschen trotz Hunderttausender Jahre natürlicher Selektion sehr hoch ist: Ein schmales Becken ist vorteilhaft für die Fortbewegung und beugt Beckenbodenproblemen bei der Geburt vor, und die Überlebenschance eines Babys ist umso höher, je grösser es dabei war. Die Selektion bevorzugt also schmale Becken und grosse Babys bis zu einem Punkt: Passt es nicht mehr durch den Geburtskanal, ist das fatal.

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts retten jedoch Mediziner betroffene Mütter und ihre Kinder per Kaiserschnitt, was laut den Forschern bereits zu evolutionären Veränderungen geführt hat. Die Häufigkeit von Geburtsproblemen durch Becken-Kopf-Missverhältnisse sei dadurch um bis zu 20 Prozent gestiegen. Wie oft diese tatsächlich vorliegen, ist aber unklar - Studien sprechen von einem bis acht Prozent der Geburten.