Schwarze Liste gegen Lohndiskriminierung

Travail.Suisse macht Druck auf Unternehmen

Symbolbild

Sei es bei der Erwerbstätigkeit, beim Lohn oder bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Schweiz hinkt bei der Gleichstellung von Mann und Frau immer noch hinterher. Der Arbeitnehmerverband Travail Suisse will dies ändern und hat heute dazu 28 Forderungen präsentiert.

Unternehmen, die ihre Löhne nicht freiwillig auf Diskriminierung überprüfen, sollen auf eine Schwarze Liste gesetzt werden. Travail.Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, macht Druck für gleiche Löhne für Männer und Frauen. Das Prinzip "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" müsse in den Unternehmen zwingend durchgesetzt werden, schrieb Travail.Suisse. Deshalb werde eine Schwarze Liste ins Auge gefasst, auf der die Namen von Unternehmen veröffentlicht werden sollen, die ihre Löhne nicht freiwillig und mit einer anerkannten Methode überprüfen lassen.

28 Forderungen

Die Schwarze Liste ist eine von 28 Forderungen, die Travail.Suisse am Montag - einen Tag vor dem Tag der Arbeit - in Bern den Medien präsentierte. Die Lohndiskriminierung für Frauen beginne nach der Berufslehre, kritisierte Sabri Schumacher, Leiterin der Fachstelle Gleichstellung der Gewerkschaft Syna, laut Redetext vor den Medien. Um die sieben Prozent betrage der Lohnunterschied ohne objektiven Grund. Die Ungleichheit habe bis ins hohe Rentenalter Konsequenzen.

Frauenlöhne sichtbar machen

Um die gleichen Löhne durchzusetzen, will Travail.Suisse die Individualbesteuerung unterstützen. "Das heutige Steuersystem ist das Erbe einer patriarchalischen Gesellschaft, in der davon ausgegangen wurde, dass der Mann allein die Familie ernährte", sagte Präsident Adrian Wüthrich laut Redetext. Der Lohn der Ehefrau werde zum Lohn des Mannes gezählt und verschwinde damit vom Radar. Füllten jedoch Mann und Frau je eine Steuererklärung aus, würden die einzelnen Einkommen sichtbar und würden auch so versteuert, statt dass das Paar mit zusammengezählten Löhnen in eine höhere Einkommensklasse gelange. Individualbesteuerung würde laut Wüthrich bewirken, dass mehr Frauen eine Erwerbsarbeit aufnehmen oder mit höherem Pensum arbeiten. Dies könne Verluste durch die Einführung der Individualbesteuerung zum Teil aufwiegen. Durch die Einführung der Einzelbesteuerung dürften keine Steuerverluste entstehen, hält der Verband fest.

Forderungen zur Care-Arbeit

Auch Care-Arbeit, die Betreuung von Kindern und Angehörigen, hat Travail.Suisse in den Forderungskatalog aufgenommen. 1,9 Millionen Menschen in der Schweiz leisteten diese Arbeit heute ohne Entschädigung, meist für Kinder, aber von knapp 600'000 Personen auch für Erwachsene. Meist leisten Frauen diese Arbeit. Travail.Suisse widmet Care-Arbeit gleich mehrere Forderungen. Diese reichen von einem aus der Erwerbsersatzordnung bezahlten Vaterschaftsurlaub, einem Recht auf Teilzeitarbeit für Eltern, einem Anspruch auf mindestens zwei Krippentage pro Woche pro Kind bis zum Urlaub in Notsituationen für pflegende Angehörige.