Schulhaus in Ebikon mit Gift verseucht

Naphthalin-Wert übersteigt WHO-Vorgaben um das 21-fache

Das Schulhaus Höfli in Ebikon ist mit Naphthalin vergiftet.

Das Schulhaus Höfli in Ebikon ist mit dem Gift Naphthalin verseucht. Gemäss einem Bericht der Gemeinde, welcher dem Blick vorliegt, ist die Menge des Giftes um das 21-fache über dem zugelassenen Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation WHO. Dennoch will die Gemeinde Ebikon erst im Herbst handeln.

Gift-Alarm im Primarschulhaus Höfli in Ebikon! Ein Bericht der Gemeinde zeigt: das Schulhaus ist mit Naphthalin verseucht. Der Wert ist mit 210 Mikrogramm pro Kubikmeter ganze 21-mal höher als von der WHO zugelassen, schreibt der Blick, dem der Bericht aus Ebikon vorliegt. Trotzdem werden die Kinder noch bis im Herbst im verseuchten Schulhaus unterrichtet. Erst dann wird ein Provisorium aufgestellt und das Schulhaus geschlossen.

Eltern der Schulkinder sind besorgt. «Mein Kind hat wegen des Gifts täglich Kopfschmerzen und entzündete Augen - und das soll noch bis Herbst so weitergehen? Das kann doch nicht sein!», klagt eine Mutter gegenüber dem Blick. Die Gemeinde spielt das Ganze hingegen runter und macht ein Geheimnis um den Gift-Bericht.

«weit unter dem Arbeitsplatz-Grenzwert in der Schweiz»

Eltern die den Gift-Bericht einsehen wollen, müssen bei der Gemeinde einen Antrag mit Begründung stellen und verpflichten sich dabei, den Bericht weder weiterzugeben noch zu vervielfältigen. Wie die Gemeinde gegenüber Blick klarstellte, handelt es sich hierbei um Datenschutz. Der Gemeinderat hält die Situation im Schulhaus Höfli zudem für wenig bedenklich.

Der Giftwert liege «weit unter dem Arbeitsplatz-Grenzwert in der Schweiz», sagt Alex Mathis, Geschäftsführer der Gemeinde Ebikon. Für Kinder gilt dieser Wert allerdings nicht. Als Sofortmassnahme hat die Gemeinde Lüftungsanlagen installiert. Laut Messungen kann die Giftbelastung dadurch teilweise reduziert werden. Mathis ist überzeugt, dass damit gut auf die erhöhten Naphthalin-Werte reagiert wurde.

Blick-Recherchen zeigen jedoch ein anderes Bild. Selbst Lehrer halten es demnach nicht in den Schulzimmern aus. Der Unterricht findet in den Gängen statt, der Giftgestank in den Zimmern sei kaum auszuhalten.

Naphthalin, ein schweizweites Problem

Der Stoff Naphthalin wurde vor allem in den 60er- und 70er-Jahre im Bau verwendet. Teeröl, das mit Naphthalin angereichert wurde, nutze man dabei in Fussböden als Feuchtigkeitsschutz. Heute weiss man: Der Stoff ist gesundheitsgefährdend und umweltschädlich.

Naphthalin ist zwar weniger gefährlich wie beispielsweise Asbest. Es besteht jedoch auch bei diesem Stoff der Verdacht, dass er Krebs verursacht. Die unmittelbaren Folgen von Naphthalin sind zudem Übelkeit, Entzündungen der Schleimhäute, Atemwegsprobleme und Verwirrtheit.

 

Audiofiles

  1. Schulhaus Höfli in Ebikon mit Naphthalin verseucht. Audio: Selina Linder / Yanik Probst
  2. Gemeinderat von Ebikon wehrt sich gegen Vorwürfe. Audio: Philipp Breit