Heute vor 25 Jahren brannte die Kapellbrücke

Was damals geschah und was heute noch zu reden gibt

Auf den Tag genau 25 Jahre ist es her, dass die Kapellbrücke lichterloh brannte. In der Nacht vom 17. auf den 18. August brach das Feuer aus. Es zerstörte nicht nur grosse Teile der überdeckten Holzbrücke, sondern auch wertvolle Bildtafeln. Die Bestürzung über den Brand war riesig. Bilder der brennenden Kapellbrücke gingen um die Welt. Als Brandursache vermutete man später eine weggeworfene Zigarette.

Kurz nach Mitternacht brach vor 25 Jahren südlich des Wasserturms das Feuer aus. Die zahlreichen Spinnweben auf der historischen Brücke wirkten danach wie ein Brandbeschleuniger. Innert kürzester Zeit standen zwei Drittel der 205 Meter langen Brücke in Vollbrand. Nur dank dem Einsatz von rund 160 Feuerwehrleuten konnte an den Brückenenden ein 25 Meter und ein 40 Meter langes Stück gerettet werden. Einzig der Wasserturm überstand den Brand unversehrt. Der Rest des Luzerner Wahrzeichens wurde bis auf die Stützpfeiler niedergebrannt. Schuld an der Katastrophe soll ein Schwelbrand in einem der angelegten Boote unter dem Steg gewesen sein. Dieser wurde wahrscheinlich durch eine weggeworfene Zigarette verursacht.

Die Luzerner Kapellbrücke wurde in der Nacht vom 17. auf den 18. August 1993 ein Raub der Flammen. Die Kapellbrücke brannte am 18. August 1993. Die Kapellbrücke brannte lichterloh. Die Kapellbrücke brannte lichterloh. Die Kapellbrücke brannte lichterloh.

Luzern ohne Kapellbrücke: undenkbar

Am nächsten Morgen der Schock und die Fassungslosigkeit. Die Luzernerinnen und Luzerner konnten nicht glauben was aus ihrem geliebten Wahrzeichen geworden war. Doch nicht nur sie waren bestürzt. Zeitungen auf der ganzen Welt zeigten die Ruinen des beliebten Touristenmotivs. Die Stadt reagierte sofort. Noch am selben Tag wurde beschlossen, dass die Brücke wiederaufgebaut wird. Luzern ohne die Kapellbrücke wäre schlicht undenkbar. Also begann man so schnell wie möglich mit den Wiederaufbau-Arbeiten. Mit Erfolg: nur acht Monate später konnten die ersten Fussgänger die Brücke wieder überqueren. 

Die Wiedereröffnungs-Feier genoss eine grosse Medienpräsenz und auch ein Bundesrat nahm an den Feierlichkeiten teil. Damit sich das Ereignis nicht wiederholt wurde ein Rauchverbot ausgesprochen und als weitere Massnahmen Wärmesensoren und Rauchmelder installiert. 

Bildtafeln beschäftigen Politik heute noch

Obwohl das beliebte Touristenmotiv längst wieder in Takt ist, sorgen die Bildtafeln, welche die Brücke zierten, heute noch für intensive Diskussionen. Die Bilder zeigen Szenen der Schweizer und auch der Luzerner Geschichte sowie das Leben und Sterben der Stadtpatrone. Geschaffen wurden sie im 17.Jahrhundert vom Schweizer Maler Heinrich Wägmann. Von den ursprünglichen 111 ausgehängten Bildtafeln konnten nur 43 vor dem Feuer in Sicherheit gebracht werden. Jedoch liessen sich 25 soweit wiederherstellen, dass sie wieder ausgestellt werden konnten. Heute hängen in der Brücke noch 63 Bilder - 30 unversehrte und 7 brandgeschädigte Originale, dazu 26 Bilder, die aus einem 1835 abgerissenen Teil der Brücke stammen und eingelagert waren.

Dennoch bleiben Lücken zurück. Diese haben die Denkmalpfleger jedoch auch bewusst frei gelassen, um den kulturhistorischen Verlust deutlich zu machen. Diese 2002 festgelegte Hängeordnung ist aber umstritten. Viele möchten lieber Bilder statt Lücken sehen. Ein Luzerner Anwalt liess vor zehn Jahren Kopien herstellen, doch Denkmalpfleger, Stadtregierung und Stimmberechtigte lehnten es ab, diese Kopien aufzuhängen.

Parlament will zeitgenössische Kunst

Die Kapellbrücke steht seit über 100 Jahren unter dem Schutz der Eidgenossenschaft. Einer neuen Hängeordnung sind deswegen Grenzen gesetzt. Trotzdem will der Stadtrat den Spielraum für eine Revision der Hängeordnung nun ausloten. Kopien sind weiterhin tabu, das Parlament sprach sich im Sommer für zeitgenössische Kunst aus. Die Brücke solle wieder wie früher ein "begehbares Bilderbuch" sein, hiess es.

Audiofiles

  1. Die Stimmen zum Brand vor 25 Jahren. Audio: Giulia Jung / Michi Huser
Erst am nächsten Morgen wurde deutlich was das Feuer angerichtet hat. Die verkohlten Überreste am Morgen danach. Abbrucharbeiten: Das Tiefbauamt der Stadt Luzern montiert ein Sicherheitnetz. Im Dezember 1993 standen nur noch die wiederverwendbaren Teile des Unterbaus. Beginn des Wiederaufbaus, Februar 1994