So wenig Asylgesuche wie seit elf Jahren nicht mehr

Insgesamt haben rund 15'200 Personen in der Schweiz ein Gesuch gestellt

Asylsuchende (Symbolbild)

Rund 15‘000 Menschen haben im vergangenen Jahr in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt. Das sind 15 Prozent weniger als im Vorjahr, teilt das Staatssekretariat für Migration mit. Zudem ist dieser Wert der Tiefste seit elf Jahren.

In der Schweiz sind seit mehr als zehn Jahren nie mehr so wenig Asylgesuche gestellt worden wie im letzten Jahr. Die 15'255 Gesuche bedeuten einen Rückgang um 15,7 Prozent. Für das laufende Jahr wird mit gleich vielen Gesuchen oder leicht höheren Zahlen gerechnet. Die Schweiz sei immer weniger Zielland für Asylsuchende, die kein Anrecht auf den Schutz durch die Schweiz hätten, so das Staatssekretariats für Migration (SEM). Die Schweiz entscheidet gemäss dem Bund sehr schnell über die Asylgesuche – viele Menschen müssten die Schweiz daher schnell wieder verlassen. Ein weiterer Grund ist, dass viel weniger Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa kommen.  

 

Gattiker sieht den Grund darin, dass die Schweiz sehr schnell

über die Asylgesuche entscheide und die Leute die Schweiz rasch wieder
verlassen müssten.

Zudem würden viel weniger Flüchtlinge übers Mittelmeer nach Italien
kommen. Es gebe eine Ausweichbewegung über Marokko und Spanien - und
diese Asylsuchenden würden nicht in die Schweiz reisen.

Die 15'255 Asylgesuche stellen den tiefsten Wert seit dem Jahr 2007 dar,
als 10'844 Gesuche gestellt wurden, wie der am Freitag veröffentlichten
Asylstatistik des SEM zu entnehmen ist. Der Anteil der Schweiz an allen
in Europa gestellten Asylgesuchen lag wie im Vorjahr bei rund 2,5
Prozent. Es handelt sich dabei um den zweittiefsten Anteil der Schweiz
seit dem Fall der Berliner Mauer 1989.

Eritrea wichtigstes Herkunftsland

Wichtigstes Herkunftsland von Asylsuchenden in der Schweiz war Eritrea.
Insgesamt wurden 2825 Asylgesuche von Eritreerinnen und Ertreern
registriert. Im Vorjahr waren es noch 3375 gewesen. Davon seien 797 auf
Familienzusammenführungen entfallen, 29 auf das europäische
Relocation-Programm, 1444 auf Geburten und 63 auf Mehrfachgesuche.
Spontan gelangten lediglich 492 eritreische Asylsuchende in die Schweiz.

Zur umstritten Überprüfung von 3400 vorläufig aufgenommenen Eritreern
und deren mögliche Rückkehr in ihr Heimatland, sagte Gattiker in einer
Zwischenbilanz, dass die vorläufige Aufnahme wohl bei weniger als zehn
Prozent der Fälle aufgehoben werden könne. Der Bund müsse sich hier an
die Rechtsprechung halten.

An zweiter Stelle der Herkunftsländer lag gemäss der Statistik Syrien
mit 1393 Gesuchen, 29 Prozent weniger als im Vorjahr. Es folgten
Afghanistan mit 1186 Gesuchen (minus drei Prozent), die Türkei mit 1005
Gesuchen (plus 18 Prozent), Georgien mit 873 Gesuchen (plus 30 Prozent),
Algerien mit 747 Gesuchen (plus 35 Prozent) und Sri Lanka mit 652
Gesuchen (minus 22 Prozent).

Schweiz deutlich über europäischem Mittel

Mit 1,9 Asylsuchenden auf 1000 Einwohner (Vorjahr 2,2) liege die Schweiz
weiterhin deutlich über dem europäischen Mittel von 1,2 Asylsuchenden
pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner. Eine höhere Quote hätten in
Europa Griechenland mit 6,3, Zypern mit 5,7, Malta mit 4,8, Luxemburg
mit 3,6, Schweden mit 2,2 und Belgien mit 2,1 Asylsuchenden pro 1000
Einwohner aufgewiesen. In Deutschland waren es wie in der Schweiz 1,9
Asylsuchende pro 1000 Einwohner.

Aufgrund der bisher vorliegenden Zahlen der europäischen Staaten kann
laut SEM davon ausgegangen werden, dass 2018 in Europa rund 640'000
Asylgesuche gestellt wurden. Dies sei gegenüber 2017 ein Rückgang um
rund 15 Prozent. Die Zahl der Gesuche stelle allerdings immer noch den
vierthöchsten Wert seit dem Fall der Berliner Mauer dar.

Die Zahl der in Europa gestellten Asylgesuche lasse allerdings keinen
direkten Rückschluss auf die Zahl der asylsuchenden Menschen zu, die
effektiv nach Europa gelangten: Geflüchtete suchten oft in mehreren
Staaten um Asyl nach.

Für 2019 rechnet das SEM laut Gattiker mit gleichbleibenden Asylzahlen
wie 2018. Man gehe von rund 15'500 neuen Asylgesuchen aus. Die Situation
sei aber nach wie vor volatil, der internationale Migrationsdruck bleibe
hoch, sagte Gattiker weiter. In der Türkei lebten über drei Millionen
Syrer. Die Asylgesuchszahlen könnten rasch wieder ansteigen.

Flüchtlingshilfe: Schweiz muss mehr tun

Für die Schweizerische Flüchtlingshilfe ist der tiefste Wert der
Asylgesuche seit 2007 eine direkte Folge der EU-Abschottungs- und
Abschreckungspolitik, die auch die Schweiz mittrage. Flüchtende würden
dadurch auf immer gefährlichere Routen gezwungen. Die Flüchtlingshilfe
fordert den Bund dazu auf, angesichts der weltweiten Fluchtbewegungen
seine Verantwortung wahrzunehmen und vermehrt legale Zugangswege zu
schaffen.

Die lange humanitäre Tradition verpflichte die Schweiz auch zur
Verantwortung, bei der aktuellen Bewältigung des weltweiten
Flüchtlingselends eine Vorbildfunktion zu übernehmen. Die Schweiz könne
und müsse mehr tun, gerade auch bei der Seenotrettung.