Junge Gemeinderäte sind selten

Rahmenbedingungen hemmen das Engagement

In den Gemeinderäten sitzen selten Mitglieder, welche jünger als 35 Jahre sind. Viele Gemeinden haben Mühe, Nachwuchs für die politischen Ämter zu finden. Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass das Interesse an Politik fehlt. Häufig sind es die Rahmenbedingungen, welche die Jungen von einem Engagement in der Gemeindepolitik abhalten. Das zeigt eine neue Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur. Beliebter bei den Jungen sind Ämter in der kantonalen und nationalen Politik. 

Auch der Polit-Experte von Interface Politikstudien, Tobias Arnold ist der Ansicht, dass die kantonale und nationale Politik für die Jungen interessanter zu sein scheint. Diese Tatsache begründet er mit der medialen Präsenz und der damit einhergehenden Aussicht auf eine politische Karriere. Im Vergleich dazu scheint die Gemeindepolitik eher unattraktiv zu sein - im Rampenlicht steht man selten. Tobias Arnold betont aber, dass gerade ein Amt bei der Gemeinde eine wichtige Grundlage für die spätere Karriere sei. 

Gemeindepolitik ist wichtig für eine spätere Karriere

Dass das Politisieren auf der Gemeindeebene wichtige Voraussetzungen schafft, zeigen zwei Beispiele: Laura Dittli aus Oberägeri ist erst 27 Jahre alt - und bereits die Präsidentin der CVP des Kantons Zug. Auch sie hat ihren politischen Weg auf der Gemeindeebene eingeschlagen. Sie engagiert sich seit mehreren Jahren in der Politik. Sie war unter anderem bei der Gründung der Jung CVP Kanton Zug mit dabei und ist seit 2014 im Zuger Kantonsparlament.

Ein bisschen weiter ist bereits Damian Müller. Der 35-jährige ist Ständerat. Auch er setzte seinen Fuss schon früh in die Politik. Mit gerade mal 20 Jahren wurde er ein Vorstandsmitglied der FDP Hitzkirch. Er findet, dass sich einiges änder muss, damit die Politik auch heute noch für die jungen Leute attraktiv bleibt. So zum Beispiel das Verständnis des Arbeitsgebers oder aber auch das System, welches sich anpassen muss. So könnte er sich vorstellen, dass es fortan auf der Gemeindeebene auch Teilzeitstellen gibt. 

Jahr der Miliz-Arbeit

Der Schweizerische Gemeindeverband hat 2019 zum Jahr der Miliz-Arbeit bestimmt. So probiert man, die Gemeinderats-Ämter vor allem auch für Junge wieder attraktiv zu machen. Es geht dabei um Vorschläge wie Steuerbefreiung, wenn man im Gemeinderat sitzt. Möglich wäre auch, die Amtszeit von der Wehrpflicht abzuziehen.

Audiofiles

  1. Junge Gemeinderäte sind selten. Audio: Urs Schlatter, Radio Pilatus AG
Luftaufnahme der Gemeinde Buttisholz