Luzern nimmt mit Reuss-Projekt neuen Anlauf

Landverbrauch bleibt grosse Knacknuss bei Reuss-Renaturierung

Der Kanton Luzern legt das umstrittene Projekt zum Hochwasserschutz und zur Renaturierung der Reuss Ende Oktober erneut auf. Bereits fieberhaft auf der Suche ist man nach Realersatz für Ackerland, das beim Bau baden geht.

Der neue Regierungsrat Fabian Peter informierte am Mittwoch in seiner ersten Medienkonferenz als Luzerner Baudirektor über ein Projekt, das bereits sein Vorgänger vor einem Jahr vorgestellt hatte. Nennenswerte Veränderungen habe es seither keine gegeben, das Hochwasserschutzprojekt werde nun öffentlich aufgelegt.

Alte Dämme aus dem Jahre 1860

Für 195 Millionen Franken - 80 Prozent davon trägt der Bund - will der Kanton die Reuss von Emmen bis zur Kantonsgrenze verbreitern und mit Schutzbauten versehen. Die alten Dämme stammen aus dem Jahre 1860, zuletzt hatte es 2005 grosse Überschwemmungen in dem Gebiet gegeben. Mit dem Hochwasserschutzprojekt sollen Schäden von bis zu 600 Millionen Franken verhindert werden.

Ökologische Aufwertung mit Erholungsräumen

Neben dem Hochwasserschutz wird die Reuss ökologisch aufgewertet. Zudem entstehen Erholungsräume im dicht besiedelten Gebiet. Der Kanton entschied sich für die Variante einer Aufweitung des Flusses um den Pegel zu senken. Verworfen hat er eine Absenkung des Bachbetts wegen Folgen für das Grundwasser und eine Dammerhöhung, weil dies nicht nachhaltig sei, aber teuer und gesetzeswidrig.

"Aufweitung frisst Land"

Grosse Kritik aus der Landwirtschaft

Das Projekt war bereits 2016 aufgelegt, nach Kritik vor allem aus der Landwirtschaft überprüft und angepasst worden. Harten Gegenwind erwarte man weiterhin beim Landverbrauch, sagte Stefan Moser von der Land- und Forstwirtschaftlichen Begleitplanung. Denn: "Die Aufweitung frisst Land aus Sicht der Betroffenen." Rund 31 Hektar Fruchtfolgeflächen sind es entlang des 13 Kilometer langen Reussabschnitts.

Lösungen finden

Ziel der nächsten Projektphase sei es denn auch, Lösungen anzubieten für jene Land- und Waldbesitzer, die besonders hart getroffen würden, sagte Baudirektor Peter. "Es geht um Eigentum, das ist emotional." Laut Moser wurden bereits einzelne Gespräche und Verhandlungen mit betroffenen Betrieben und Grundeigentümern geführt. Ein Betrieb sei gefährdet, für diesen müsse man sicher eine Lösung finden. Priorität hätten "zukunftsfähige Betriebe mit einer Strategie". Das heisse aber nicht, dass man sich für die anderen nicht auch einsetze.

Suche nach Realersatz

Besonders jene Betriebe, die sich entwickeln wollten, täten sich schwer mit der Planungsunsicherheit. Eine Volksabstimmung ist für Ende 2022 geplant, die Realisierung dürfte bis 2034 dauern. Man sei nun laufend auf der Suche nach Realersatz. Das sei im Gebiet "obere Reuss" einfacher als im Gebiet "untere Reuss" in der Region Root, Gisikon und Honau. Kompensieren muss der Kanton die Fruchfolgeflächen, die beim Wasserbau verschwinden.

Potenzielle Aufwertungsstandorte seien vorhanden. So könnten etwa Gebiete, in denen einst Torf gestochen wurde, Deponien oder Flächen entlang der Autobahn urbar gemacht werden.

«Wald bleibt Wald»

Betroffen sind auch Waldeigentümer. Er lasse prüfen, ob Staatswald als Realersatz angeboten werden könne, sagte Peter. Denn Wald bleibe Wald, egal wem er gehöre. Der Bund unterstütze das nun vorliegende Projekt vorbehaltlos, betonte der Baudirektor. Es liegt ab dem 28. Oktober einen Monat lang öffentlich auf. Danach folgen Einspracheverhandlungen, bevor der Regierungsrat beim Kantonsrat einen Sonderkredit beantragen kann.

(Quelle: sda)