Schmolz + Bickenbach noch nicht im Trockenen

Jetzt muss die Finma entscheiden

S+B und Haefner müssen gegenüber der Finanzaufsicht beweisen, dass die Kapitalerhöhung notwendig und in ihrer Form alternativlos ist.

Der finanziell schwer angeschlagene Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach (S+B) hofft auf Rückendeckung der Finma. Von einer Entscheidung der Schweizer Finanzmarktaufsicht am Montag ist abhängig, ob eine Kapitalerhöhung in der geplanten Form durchgeführt werden kann. Ein "Nein" würde zwar nicht automatisch das Ende des Traditionsunternehmens bedeuten - die Sache aber komplizierter machen.

Anfang Woche einigten sich Amag-Besitzer Martin Haefner und die von Viktor Vekselberg kontrollierte Beteiligungsgesellschaft Liwet an einer ausserordentlichen Generalversammlung quasi in letzter Minute auf einen Sanierungsplan für S+B. Dieser sieht vor, dass Haefner bis zu 325 Millionen Franken einschiesst und seinen Anteil auf maximal 37,5 Prozent erhöht. Er würde damit Liwet als grösster Aktionär ablösen.

Nach Schweizer Aktienrecht muss aber ein Aktionär, dessen Anteil über 33,33 Prozent steigt, ein Angebot für alle übrigen Anteile unterbreiten. In einem Sanierungsfall ist es möglich, eine Ausnahme von dieser Pflicht zu erhalten. Die Übernahmekommission hat das vor zehn Tagen abgelehnt, das letzte Wort hat nach einer Beschwerde nun die Finma.

Notwendig und alternativlos?

Entscheidend wird nun sein, ob S+B und Haefner gegenüber der Finanzaufsicht schlagend darlegen konnten, dass die Kapitalerhöhung notwendig und in ihrer Form alternativlos ist. Der Nachweis der Notwendigkeit dürfte aufgrund der massiven Verschuldung nicht schwerfallen.

"Die Eigenkapitalquote von Schmolz + Bickenbach beträgt nur noch 11 Prozent und das Unternehmen verstösst bereits gegen alle Kreditbedingungen", sagte Verwaltungspräsident Jens Alder vergangenen Montag an der Generalversammlung.

Bleibt der Punkt "alternativlos". "Das ist das einzige Angebot, das auf dem Tisch liegt", erklärte Firmensprecher Ulrich Steiner zu diesem Thema. Dass es einen anderen Weg gebe, sei zwar "nicht völlig ausgeschlossen, aber doch sehr unwahrscheinlich", sagte der Sprecher.

Politik mischt mit

Gleichzeitig ist der Zeitdruck immens. Da S+B gegen die Kreditbedingungen verstösst, müssten ausstehende Darlehen eigentlich auf der Stelle beglichen werden. Die Banken haben dem Unternehmen aber eine Frist bis Ende Januar gewährt, um die Finanzen wieder ins Lot zu bringen.

Wie die Finma entscheidet, ist noch eine Unbekannte. Die Erwartungen an die Behörde sind hoch, zuletzt hat auch der Luzerner Regierungsrat bei der Finma und bei Wirtschaftsminister Guy Parmelin in der Sache interveniert. Für Haefner sprechen könnte die Einigung mit Liwet. Die Übernahmekommission hatte nämlich bei ihrer Ablehnung unter anderem bemängelt, dass das Sanierungskonzept nicht ausgereift sei und dass die Aktionäre ungleich behandelt würden.

"Die nun erzielte Einigung der Grossaktionäre und das deutliche Ergebnis der Generalversammlung mit 80 Prozent Zustimmung dürften diese Kritikpunkte abschwächen", sagte ein Analyst im Gespräch mit AWP. "Durch die Einigung wurden die Pläne auf jeden Fall ausgewogener", sagte der Experte mit Blick auf den anstehenden Finma-Entscheid.

Denkbare Alternativen

Sollte aber auch die Finma Haefner die Ausnahme von einem Pflichtangebot verweigern, werden alle Beteiligten nochmals über die Bücher gehen müssen. "Eine Möglichkeit wäre, dass Haefner seinen Anteil nur bis zur Ein-Drittel-Grenze ausweitet", sagte ein Finanzexperte. Auch ein Übernahmeangebot sei nicht ausgeschlossen.

"Bei einem Angebot zum gesetzlich vorgeschriebenen Minimum kann man das unattraktiv gestalten", sagte ein Industrieanalyst zu AWP. Haefner müsste in einem solchen Fall so viel offerieren, wie in den letzten 60 Börsentagen im Schnitt für eine S+B-Aktie bezahlt wurde. Und das ist relativ wenig.

"Dieses Vorgehen birgt trotzdem ein finanzielles Risiko," sagte der Analyst weiter. "Wenn Haefner bei einer Ablehnung sein Angebot zurückzieht, wäre das für das Unternehmen die schlechteste Variante."

(Quelle sda)