Coronavirus in Swiss-Maschine ist saisonale Grippe

Das Bundesamt für Gesundheit gibt Entwarnung

Am Flughafen Zürich gab es einen Coronavirus-Verdachtsfall an Bord einer Swiss-Maschine.

Der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus in einem Swiss-Flugzeug hat am Montag vorübergehend für Aufregung am Flughafen Zürich gesorgt. Erst nach Stunden war klar, dass es sich nur um einen Grippe-Fall handelte.

An Bord der A330 aus aus New York, die um 10.17 Uhr in Zürich gelandet war, bestand bei einem Mitglied der Kabinenbesatzung Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus, wie die Swiss bekannt gab. An Bord befanden sich 121 Passagieren und 13 Besatzungsmitglieder.

Weil sich der Mann schon in New York krank fühlte, flog er "inaktiv" zurück in die Schweiz mit, quasi als Passagier. Die Swiss habe den Erkrankten bewusst nicht in New York zurückgelassen, sagte Oliver Buchhofer, Leiter Flugbetrieb bei der Swiss, am späteren Montagnachmittag an einer Medienorientierung am Flughafen.

"Wir gingen davon aus, dass sich das Crewmitglied mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mit dem Coronavirus angesteckt hatte", erklärte Buchhofer. An Bord habe man den Kranken "durch die Sitzplatzwahl" isoliert.

Notfallplan für Infektionskrankheiten ausgelöst

Weil der Mann aber die Verdachtsdefinition für das Coronavirus erfüllte - er hatte Fieber, hustete und war in den letzten 14 Tagen für die Swiss nach China geflogen - löste Chef-Grenzarzt Hugo Sax den Notfallplan für infektiöse Patienten aus.

Der Linienjet wurde auf einem speziellen Platz abgestellt, Besatzung und Passagiere wurden vorübergehend isoliert. Die Person mit Infektionsverdacht wurde für medizinische Untersuchungen ins Universitätsspital Zürich überführt.

Die anderen Passagiere mussten bis zu drei Stunden in der Maschine ausharren, bis alle erfasst und informiert waren. Die meisten konnten in die Schweiz einreisen oder ihren Weiterflug antreten. Passagiere, die bis zu drei Reihen vor oder hinter dem Erkrankten sassen, wurden speziell instruiert. Sie sollen sich melden, wenn sie in den nächsten 24 Stunden Fieber bekommen.

Saisonale Grippe

Ein anders Vorgehen sei nicht opportun, erklärte Grenzarzt Sax. Erstens sei eine Ansteckung so kurze Zeit nachdem sie erfolgte, noch nicht nachweisbar. Und zweitens seien Angesteckte in den ersten ein, zwei Tagen selber noch nicht ansteckend.

Am frühen Nachmittag war dann, klar, dass sich das Besatzungsmitglied lediglich mit einer saisonalen Grippe angesteckt hatte. Der Mann konnte das Spital verlassen und nach Hause gehen.

Erfolgreicher Testlauf

Es war das erste Mal, dass am Flughafen Zürich wegen des Coronavirus der Notfallplan für stark ansteckende Infektionskrankheiten ausgelöst wurde. Alle Verantwortlichen zeigten sich mit dem Zusammenspiel der beteiligten Dienste und Einsatzkräfte zufrieden. Als Testlauf sei der Vorfall erfolgreich abgelaufen, hiess es gegenüber den Medien.

Gleichzeitig reagierten die Lufthansa und ihre Töchter Swiss und Austrian Airlines erneut auf die Bedrohung und passten ihre Flugpläne wegen dem sich ausbreitenden Coronavirus erneut an. Die Flüge zum chinesischen Festland bleiben neu bis am 29. Februar eingestellt, wie die Fluggesellschaft mitteilte. Zunächst hatte die Swiss die Verbindungen nach China bis am 9. Februar ausgesetzt.

Moderate Nutzung der Hotline

Das Interesse der Bevölkerung an Fragen rund um das Coronavirus ist nach Einschätzung der Medgate, die im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) eine Hotline betreibt, mässig. Es gab zwar seit der Inbetriebnahme am vergangenen Donnerstagnachmittag bis am Montagmittag knapp über tausend Anrufe. Dies entspreche aber nur etwa einem Drittel der Anrufe, die im Fall der Hotline zur Schweinegrippe im Jahr 2009 in den ersten Tagen eingegangen seien.

"Die Anrufer wollen sich grundsätzlich informieren, sind aber nicht beunruhigt", wie der Kommunikationsverantwortliche von Medgate, Cedric Berset, mitteilte. Am meisten Informationsbedarf bestehe bezüglich Reisen in betroffene Länder, hauptsächlich nach Asien.

Fragen zum Ansteckungsrisiko

Ein weiterer Schwerpunkt bildeten Fragen zum Ansteckungsrisiko in der Schweiz. Weiter interessierten sich die Anrufenden für Massnahmen, wie man sich vor Ansteckungen schützen könne, sowie für den Umgang mit dem Virus im Ausland, insbesondere in China selber.

Den Anrufenden werde mitgeteilt, in welchen Ländern derzeit Fälle mit dem Coronavirus bestätigt worden seien. Zudem würden sie dahingehend informiert, dass das Ansteckungsrisiko hauptsächlich nur dann bestehe, wenn man innerhalb von 14 Tagen nach einer Reise in einem betroffenen Gebiet Krankheitssymptome aufweise oder in einem engen Kontakt mit einem vom Coronavirus betroffenen Menschen gestanden sei.

Um eine Ansteckung zu verhindern, werde den Anrufenden geraten, die üblichen Hygienemassnahmen anzuwenden: Dazu gehörten das Händewaschen mit Seife sowie Mund, Nase und Augen möglichst nicht zu berühren. Zudem sollten grössere Menschenansammlungen und Menschen mit einer akuten Atemwegserkrankung nach Möglichkeit gemieden werden.

Labortests in der Schweiz bisher negativ

Der Referenzlabor am Genfer Universitätsspital hat inzwischen bereits 130 Analysen von verdächtigen Patienten vorgenommen. Alle Tests der Verdachtsfälle seien bisher negativ ausgefallen. Das Zentrum für Viruserkrankungen am Universitätsspital Genf ist seit dem vergangenen 16. Januar in der Lage, Proben auf das neue Coronavirus 2019-nCov zu testen.

(Quelle sda)