«Hallo, du warst neben einem Coronapatienten»

Israel überwacht seine Bürger und verordnet häusliche Quarantäne

Massenüberwachung als Schutzmassnahme – so in Israel der Fall.

Israel beginnt damit, Coronavirus-Infizierte zu überwachen. Das Gesundheitsministerium schickt eine SMS an Personen, die sich in der Nähe eines bestätigten Coronavirus-Patienten aufhielten.

Das israelische Gesundheitsministerium möchte Personen schützen, die in engem Kontakt mit COVID-19-Trägern waren. Dafür ortet der Geheimdienst den Standort über das GPS des Telefons einer Person, welche in Kontakt stand mit positiv getesteten Corona-Patienten. Auf dem Handy poppt dann eine Nachricht auf, man müsse sich in Quarantäne begeben.

Bereits 400 Personen benachrichtigt

Um die Bewegungen der Coronavirus-Träger zurückzuverfolgen, hat Israel bereits 400 Personen beordert, sich zu isolieren. Premierminister Benjamin Netanjahu sagte, die Massnahme sei notwendig, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen. Das schreibt auch die israelische Online-Zeitung «The Times of Israel».

Politiker kritisieren «Machtergreifung»

Das Überwachungsprogramm haben verschiedene Politiker und Regierungsmitglieder hart kritisiert, weil es ohne die versprochene parlamentarische Einsprache genehmigt wurde. Manche sprachen von einer «Machtergreifung» ohne Aufsicht.

In einem Interview am Mittwoch konterte Gilad Erdan, der Minister für öffentliche Sicherheit. Die Sicherheitsdienste würden nur den Standort tracken und hätten keinen Zugang zu den Inhalten auf dem Gerät, so Erdan.

«Der einzige Zugang ist ein Handy-Standort, der zeigen kann, ob der Besitzer des Geräts in der Nähe eines Coronavirus-Patienten war», sagte er gegenüber «Channel 12».

«Sie müssen in Isolation gehen»

Eine solche Nachricht hat der staatliche Sender Kan 11 veröffentlicht: «Liebe Marina, laut epidemiologischer Forschung standen Sie am 6. März 2020 einem Träger des Coronavirus nahe. Sie müssen bis zum 20. März 2020 in Isolation gehen, um Ihre Angehörigen und die Öffentlichkeit zu schützen.»