Werden die Olympischen Spiele verschoben?

Der japanische Premierminister hat dies erstmals in Betracht gezogen

Werden die Olympischen Spiele verschoben? (Archivbild). Der japanische Premierminister Shinzo Abe hat erstmals eine Verschiebung der Olympischen Spiele in Betracht gezogen.

Der japanische Premierminister Shinzo Abe hat erstmals eine Verschiebung der Olympischen Sommerspiele wegen der Corona-Krise in Betracht gezogen. Vor dem Parlament in Tokio sagte er am Montag, dass damit gerechnet werden müsse.

Von einer Absage könne aber keine Rede sein. "Es ist schwierig, Spiele unter diesen Umständen abzuhalten, wir müssen über eine Verschiebung entscheiden, wobei die Gesundheit der Athleten oberste Priorität hat", sagte Abe. Die endgültige Entscheidung aber liege beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC).

Deadline für Entscheid

Das IOC will binnen von vier Wochen Klarheit über eine mögliche Verschiebung der Spiele in Tokio schaffen. Es setzte sich am Sonntag nach einer Telefonkonferenz der Exekutive diese Deadline, schloss aber gleichzeitig eine Komplett-Absage der Sommerspiele aus.

Das teilte das IOC am Sonntagabend mit, nachdem der Druck bezüglich einer Entscheidung immer grösser geworden war. Denkbar ist eine Verschiebung der vom 24. Juli bis 9. August geplanten Sommerspiele auf den Herbst, auf Sommer 2021 oder gar auf 2022.

Verschiebung um ein Jahr

Am wahrscheinlichsten dürfte die Verlegung um ein Jahr sein, was angesichts des fixierten Terminkalenders im Weltsport auch eine monumentale Entscheidung völlig neuer Dimension wäre.

Im Sommer 2021 sind zum Beispiel die Weltmeisterschaften der Schwimmer in Japan und die der Leichtathleten in den USA geplant. Gegen 2022 spricht, dass in dem Jahr die Olympischen Winterspiele im Februar und die Fussball-WM im November und Dezember stattfinden.

In Kriegen abgesagt

Eine Olympia-Verschiebung wäre eine historische Entscheidung, doch eine Absage wie es sie in der Vergangenheit schon einige Male gegeben, wird es wegen des grassierenden Virus nicht geben.

Im Ersten Weltkrieg wurden die Sommerspiele 1916 (Berlin), im Zweiten Weltkrieg die Sommerspiele 1940 (Tokio) und 1944 (London) sowie die Winterspiele 1940 (Cortina d'Ampezzo) und 1944 (Sapporo) gestrichen.

Kaum zu verantworten

Zwar hat Japan das Virus gut in den Griff bekommen, allerdings greift die Pandemie weltweit immer mehr um sich. Eine Sportveranstaltung mit rund 11'000 Athleten und Tausenden Zuschauern, Betreuern und Journalisten wäre kaum zu verantworten.

Ungeachtet der Pandemie hielten IOC und Gastgeberland noch am Wochenende an den olympischen Ritualen der Spiele-Vorbereitung fest. Am Samstag kamen mehr als 55'000 Menschen zum Bahnhof Sendai im Nordosten von Japan, um das dort angekommene Olympische Feuer in Empfang zu nehmen. Dabei hatte die Regierung die Öffentlichkeit aufgefordert, grosse Versammlungen zu vermeiden.

Quelle: sda