Diverse NewsCIA und BND spionierten dank Zuger Firma
Werbung

CIA und BND spionierten dank Zuger Firma

Geheimdienst-Dokumente beweisen: Die CIA und der BND spionierten dank Schweizer Firma
Publiziert am Mi 12. Feb 2020 19:32 Uhr
Werbung
Werbung

Die CIA und der BND (Bundesnachrichtendienst) haben über die Steinhauser Firma Crypto über 100 Staaten ausspioniert. Das beweisen Geheimdienst-Dokumente. Auch die Schweizer Geheimdienste waren eingeweiht. Der Bundesrat leitet eine Untersuchung ein.

Die USA und Deutschland haben eine weltweite Spionage-Operation durchgeführt. Bis 2018 haben die CIA und der BND Freund und Feind belauscht. Wichtige staatliche Massenmorde haben die Geheimdienste verschwiegen, Zehntausende an der Zahl sollen es sein – Menschenrechte wurden verletzt und blutige Auseinandersetzungen bewusst manipuliert und gelenkt.

Das beweisen Geheimdienstunterlagen, ausgewertet und recherchiert vom Schweizer Fernsehen, vom ZDF und von der Washington Post.

«Hunderttausende geheime Nachrichten zwischen Regierungsstellen, Behörden, Botschaften oder militärischen Stellen wurden systematisch abgefangen», heisst es in der Medienmitteilung der SRF «Rundschau»

Knackbare Geräte als sicher verkauft

Im Zentrum der Geheimdienst-Affäre: die Zuger Firma Crypto. Gerüchte gab es schon länger, dass Geheimdienste hinter der Firma aus Steinhausen stehen. 1970 kauften die CIA und der westdeutsche BND die Firma Crypto AG, verschleiert durch eine Stiftung in Liechtenstein.

Die Crypto AG verkaufte Chiffriergeräte und war Marktführer. Die Geräte verschlüsseln eine geheime Kommunikation – sodass niemand die Nachricht abhören konnte. Ein Teil dieser Geräte war sicher verschlüsselt. Die sichere Ausführung erhielten nur wenige Länder wie die Schweiz. Der Rest war bestückt mit Hintertüren, also mit einer knackbaren, unsicheren Verschlüsselung.

Über diese manipulierten Chiffriergeräte der Firma Crypto haben die CIA und der BND mitgehört- und gelesen.

Weltweit mehr als 140 Regierungen betroffen – auch europäische

Diese verschickte die Schweizer Firma an Staaten wie Saudi-Arabien, Argentinien, aber auch an EU- und NATO-Staaten wie Italien, Irland, Spanien und die Türkei.

In den Papieren heisst es: «Diplomatische und militärische Verkehre vieler wichtiger Länder der Dritten Welt, aber auch europäischer Staaten (...) konnten (...) flächendeckend mitgelesen werden.»

Die Dokumente der sogenannten «Operation Rubikon» belegen, die CIA und der BND waren frühzeitig über schwere Menschenrechtsverletzungen informiert. Zum Beispiel über die argentinische Militärjunta in den 1970ern. Mehr als 30'000 Menschen starben beim Militär-Regime in Buenos Aires.

Mit den Crypto-Geräten hätten die amerikanischen und deutschen Geheimdienste mindestens 50 Prozent ihrer Aufklärungen abgedeckt.

Prof. Richard Aldrich von der Universität Warwick kommt zum Schluss: «Die Operation Rubikon war eine der kühnsten und auch skandalträchtigsten Operationen, denn über hundert Staaten zahlten Milliarden Dollar dafür, dass ihnen ihre Staatsgeheimnisse gestohlen wurden.»

Schweizer Geheimdienst war eingeweiht

Der BND hat bis 1993 am gleichen Strang gezogen, stieg dann aber 1993 aus. Die CIA spionierte weiter bis mindestens 2018. Die Schweizer Geheimdienste wussten von der Operation, geht aus den Recherchen hervor.

«Hohe Beamte der Organisation hatten generell Kenntnis von der Rolle Deutschlands und der USA im Zusammenhang mit der Crypto AG und trugen dazu bei, diese Beziehung zu schützen.» Weiterhin gäbe es Hinweise darauf, dass auch «Schlüsselpersonen in der Regierung» informiert waren.

Bundesrat veranlasst wegen Geheimdienst-Affäre Untersuchung

Das Verteidigungsdepartement hat die Angaben der «Rundschau» bestätigt. Aufgrund der Recherchen veranlasste der Bundesrat eine Untersuchung. Bis Ende Juni soll dem VBS ein Bericht vorliegen.