SchweizKönnen Grippeimpfungen und Co. helfen, die Corona-Welle abzuflachen?

Können Grippeimpfungen und Co. helfen, die Corona-Welle abzuflachen?

Studie
Grippeschutzimpfungen und Masernimpfstoffe könnten dazu beitragen, die Corona-Kurve abzuflachen. Das zeigt eine aktuelle Studie aus Oxford. Wir haben bei Experten nachgefragt, was an dieser Studie dran ist.
Publiziert am Do 13. Jan 2022 07:15 Uhr
© Keystone/GAETAN BALLY
- Die in der Schweiz übliche Kombi-Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B, Poliomyelitis und Haemophilus influenza Typ B (Hirnhautentzündung) wirkt: Mit 6,1 Todesfällen pro Million Einwohner liegt die Schweiz punkto letaler Hepatitis in Europa im unteren Mittelfeld. (Symbolbild)

Die Coronaimpfung schützt vor schweren Erkrankungen und Hospitalisationen. Zusammen mit den geltenden Massnahmen soll die Viruszirkulation vermindert werden. So will der Bund die Gesundheitsversorgung aufrechterhalten und die epidemische Welle eindämmen.

Helfen andere Impfstoffe, die Fallzahlen zu verringern?

Könnte ein weiteres Instrument nun schneller zum Ziel führen? Immunstärkende Eigenschaften von zum Beispiel Grippe- oder Masernimpfstoffe würden vor mehreren Krankheitserregern schützen. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass durch diese zusätzlichen Impfstoffe die Infektionskurve schneller abflachen könnte.

Ein Forscherteam der Weill Cornell Medicine und der Universität Oxford modellierte die wahrscheinlichen Auswirkungen einer Nicht-Corona-Impfung zu verschiedenen Zeiten und für verschiedene Bevölkerungsgruppen. Dazu nutzten die Forscher Werte für den Kreuzschutz, die mit Daten aus früheren Studien zu Masern-, Grippe-, Tuberkulose- und anderen Impfungen übereinstimmen.

Aufrechterhaltung eines gesunden Immunsystems

Es stellte sich heraus, dass nicht verwandte Impfstoffe fünf Prozent Schutz vor schweren Covid-Erkrankungen boten. Doch dadurch würden sich laut Modellen die Fallzahlen und Hospitalisationen erheblich verringern, heisst es in der Studie. Dies unterstreiche «die Notwendigkeit, dass jeder seinen Impfschutz auf dem neuesten Stand hält, insbesondere während einer Pandemie», so Dr. Douglas Nixon, Professor für Immunologie an der Weill Cornell Medicine,

Die Studie habe zwei weitere interessante Erkenntnisse gebracht:

  • Strategien, bei denen alle über 20-Jährigen geimpft wurden, waren erfolgreicher, als wenn sich nur ältere Menschen impfen liessen
  • Impfungen während der Anstiegsphase der Infektionswelle zeigten eine grössere Wirkung

Positiver Effekt zu klein?

Die Studie sei eine spannende Analyse und sporne an, in dem Gebiet weiterzuforschen, sagt Prof. Huldrych Günthard gegenüber ArgoviaToday. Er ist leitender Arzt der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich.

Doch jede weitere Impfung würde eine Grosskampagne mit sich ziehen und Überzeugungsarbeit abverlangen. Der positive Effekt einer nicht verwandten Impfung sei eher klein, deshalb lohne sich der Aufwand nicht. «Viel wichtiger ist, dass sich die Leute impfen und boostern lassen und zwar mit der spezifischen Covid-Impfung», meint Günthard. Zusammen mit den geltenden Abstands- und Hygieneregeln könne so die Pandemie entscheidend bekämpft werden.

Bei Risikopatienten seien aber die zusätzlich empfohlenen Impfungen wie zum Beispiel die Grippeimpfung sinnvoll. «Letztes Jahr gab es die Influenza kaum, dieses Jahr kommt sie zurück. Wir empfehlen unseren Risikopatienten und dem Gesundheitspersonal auf jeden Fall, sich gegen die Grippe impfen zu lassen», so Günthard.

Studien-Autoren sprechen von einem «doppelten Gewinn»

Altnerative Impfungen könnten trotzdem in ärmeren Ländern ein Gamechanger sein, glaubt Dr. Nathaniel Hupert, Professor für Bevölkerungsgesundheitswissenschaften an der Weill Cornell Medicine. Länder, die zu wenig Corona-Impfstoffe haben oder sich schwertun bei der Verteilung, könnten davon profitieren.

Andere Impfungen kombiniert mit Masken und Hygieneregeln würden nicht nur die Covid-Welle abschwächen, sondern zugleich auch vor anderen Krankheiten schützen. «Jede zusätzliche Massnahme in gefährdeten Bevölkerungsgruppen – selbst kleine wie diese – führt zu weniger Infektionen, was weniger neue Varianten bedeutet, was wiederum ein schnelleres Ende der Pandemie heissen könnte», so Hupert.

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