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Thomas Häberli ist nicht mehr FCL-Trainer

Die Luzerner stellen den 45-Jährigen per sofort frei
Publiziert am Mo 16. Dez 2019 19:40 Uhr

Nun ist es fix: Thomas Häberli ist nicht mehr Chef-Trainer beim FC Luzern! Nach der schwachen Vorrunde haben die FCL-Bosse die Reissleine gezogen und Thomas Häberli freigestellt. Auch der Sieg am Sonntagabend gegen den FC Basel konnte daran nichts mehr ändern. Wer neuer Trainer wird ist noch offen. Eine Einschätzung unseres Sportchefs Philipp Breit.

Der 45-jährige Thomas Häberli hatte den FCL erst im Februar vom damals geschassten René Weiler übernommen. Der Ballwiler legte einen bemerkenswerten Start hin und eliminierte unter anderem im Cup-Viertelfinal YB gleich mit 4:0. Es sollte eines der wenigen Highlights bleiben. Ein weiteres ist sicherlich das erstmalige Weiterkommen in der Europa League Qualifikation. Wenn auch mit zwei eher dürftigen 1:0-Siegen gegen Klaksvik von den Färöer-Inseln.

Eigentlich gelang den Luzernern der Saisonstart einigermassen gut. Die ersten 4 Spiele gingen nicht verloren. Doch schon damals zeigte sich, die Luzerner tun sich insbesondere in der Spielgestaltung schwer. Defensiv überzeugten die Innerschweizer mit der neu formierten Abwehr rund um den deutschen Torhüter Marius Müller. Doch nach vorne wirkten die Luzerner des Öftern gehemmt. Und diese so wichtige Lockerheit, gerade im Offensivspiel, konnte nie wirklich gefunden werden.

Für Thomas Häberli war es sein erstes Engagement als Cheftrainer in der Super League. Nicht immer konnte er verstecken, dass ihm, verständlicherweise, in gewissen Situationen die Erfahrung und Routine fehlte. Doch der FCL und Sportchef Remo Meyer wussten, auf was sie sich einliessen mit der Verpflichtung von Thomas Häberli. Es war so sicher wie das Amen in der Kirche, dass der FCL irgendwann einmal eine Niederlagen-Serie haben wird.

Es war auch klar, dass Häberli die Unterstützung und Rückendeckung des Vereins benötigt, wenn es dann mal nicht so läuft. Und nun, gleich in der ersten «Krise», ziehen die Luzerner die Reissleine und entlassen Thomas Häberli. Es zeigt, dass wohl mehr dahintersteckt, als einfach nur eine Niederlagen-Serie. Vielleicht war es die Art und Weise von Häberli, vielleicht waren es seine Trainingsmethoden, vielleicht war es sein Umgang mit Staff und Spielern, vielleicht war es dann doch seine fehlende Erfahrung und Routine, welche ihn schlussendlich seinen Job gekostet haben.

Ein Abgang mit Ansage

Dass sich Häberlis Zeit beim FCL dem Ende zuneigt, zeigte sich bereits Anfang November. Sportchef Remo Meyer kritisierte Häberli öffentlich für seine Arbeit. Das Potenzial der Mannschaft werde nicht abgerufen und die Entwicklung bleibe aus, so Meyer. Klar kann man ein solches Interview auch als Weckruf anschauen. Klar kann es auch eine ehrliche Meinung sein und klar hat es im Kern der Aussagen auch seine Berechtigung. Aber ab diesem Moment, so schien es, hatte Thomas Häberli den Zugang zum Team verloren. Er wirkte ratlos und verständlicherweise angespannt.

Von Meyer erhielt er eine «Schonfrist» bis zum Ende der Vorrunde. Vor der Tatsache, dass der FCL noch gegen Zürich, St. Gallen, YB und Basel spielen musste, war dies beinahe ein Hohn. Gegen Zürich, St. Gallen und YB gab es die erwarteten Niederlagen. Gegen Basel, zum Abschluss der Vorrunde, gewannen die Luzerner zwar mit 2:1, doch konnte dieser Sieg nichts mehr ändern.

Schlussendlich war es vielleicht weniger die Tatsache, dass der FCL sechs Spiele in Serie verloren hat, dass Thomas Häberli nun seinen Job als FCL-Trainer los ist. Wenn man beim FCL daran geglaubt hätte, dass mit Häberli den Turnaround geschafft werden könnte, dann hätte es diesen Schritt nicht gebraucht. Aber allem Anschein an hat man ihm dies nicht zugetraut. Und den Sieg gegen Basel als «Ausreisser» betrachtet. Oder aber als Potenzial der Mannschaft, welches Häberli zu selten abzurufen vermochte.

Nachfolger von Häberli noch offen

Rund zehn Monate nach seiner Vorstellung als FCL-Cheftrainer muss Thomas Häberli diesen Posten nun also räumen. Erst in der vergangenen Woche verschickte der FCL noch eine Einladung an die Medien für morgen Dienstag zum Thema Vorrunden-Fazit. Demnach sollten Thomas Häberli und Sportchef Remo Meyer Auskunft geben. Nun ist klar, dass Meyer und Häberli dieses Fazit bereits gezogen haben. Und allenfalls sind sie gemeinsam zum Schluss gekommen, dass eine Trennung unausweichlich ist. Oder aber auch nur einer von beiden. Fakt ist, Thomas Häberli ist nicht mehr FCL-Trainer. Wer sein Nachfolger wird ist offen.

Hängt auch Meyers Schicksal an jenem von Häberli?

Remo Meyer scheint weiterhin fest in seinem FCL-Sportchef-Sattel zu sitzen. Gross genug ist sein internes Ansehen, oder aber auch seine interne Begründung von Häberlis Entlassung. Fakt ist, dass mit Weiler und Häberli bereits zwei von Meyer eingestellte Trainer vorzeitig wieder entlassen wurden. Auch den Abgang von Babbel konnte Meyer nicht verhindern. Schon bei Häberlis Anstellung hiess es, dass dessen Schicksal eng mit jenem von Meyer verbunden sei. Nun zeigt sich, dass sich Meyer weiterhin in seinem Amt halten kann. Trotz der Entlassung von Häberli. Fakt ist aber auch, einen weiteren „Trainer-Fehlgriff“ kann sich Meyer nicht erlauben.

Meyer sollte sich aktuell auch weniger mit seiner Position befassen, als vielmehr mit jener des Trainers. Ob Remo Meyer bereits einen (treffsicheren) Pfeil im Trainer-Köcher hat ist offen. Fakt ist aber auch, dass sich Meyer mit Häberlis Entlassung unter Druck gesetzt hat. Klar, jetzt in der Winterpause verbleibt deutlich mehr Zeit einen neuen Trainer zu präsentieren als zwischen den Spielen. Und dennoch, bis Meyer einen Nachfolger von Häberli präsentiert, wird er sich Tag für Tag den Fragen der Journalisten dazu stellen müssen.

Am 10. Januar 2020 wird der FCL ins Trainingslager nach Marbella reisen. Spätestens bis dahin bleibt zu hoffen, dass Meyer einen neuen Cheftrainer gefunden hat.

Thomas Häberli ist nicht mehr FCL Trainer.

Philipp Breit / Michi Huser

Das sind die Details zur Trainerentlassung in Luzern

Philipp Breit
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