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Erobern Wildtiere unsere urbanen Räume?

Nach Hirsch auf Fussballplatz
Vor rund zwei Wochen wurde in der Gemeinde Schwyz ein Hirsch auf einem Fussballplatz gesichtet. Das Phänomen, dass Tiere in urbanen Siedlungsgebieten anzutreffen sind, kann man in der Zentralschweiz gelegentlich beobachten. Gibt es diesen Winter eine Häufung dieses Phänomens?
Publiziert am Fr 7. Jan 2022 09:12 Uhr

Manuel Wyss, Abteilungsleiter Jagd und Wildtiere des Kantons Schwyz, kann nicht bestätigen, dass diesen Winter öfters Wildtiere in Siedlungsgebiete beobachtet werden können als andere Jahre. Dass Wildtiere sich Siedlungsgebieten nähern, hat verschiedene Gründe. Einerseits spielt das Wetter eine tragende Rolle. Beim Hirsch wisse man, dass es jahreszeitliche Wanderungen gibt. «Weil in höheren Gebieten öfters Schnee fällt, suchen sie in tieferen Lagen nach Nahrung», erklärt Manuel Wyss. Jedoch müsse man auch sehen, dass der Lebensraum des Tiers und des Menschen nicht grenzenlos ist. «Auch dort gibt es gewisse Überschneidungen.»

Viele Schwäne aus dem Luzerner Seebecken abgezogen

Im Kanton Luzern ist die Sichtung von Wildtieren sehr unterschiedlich, meint Christian Hüsler, Fachbearbeiter Jagd und Wildhüter des Kantons Luzern. Man stelle keine generelle Zunahme von Wildtieren in urbanen Räumen fest. Aber: «Füchse sieht man in letzter Zeit vermehrt in der Stadt und es kommt auch vermehrt zu Konflikten», meint Hüsler. Dies, weil vermutlich deren Bestand zugenommen habe. Ein weiterer Grund, dass der Fuchs öfters in der Stadt anzutreffen ist, hängt laut Hüsler wahrscheinlich mit der allgemeinen Zunahme der Nahrungsverfügbarkeit wie Abfall und fütternden Menschen zusammen.

Gleichzeitig sind andere Wildtiere wie beispielsweise Schwäne weniger oft beim Seebecken anzutreffen: «Seit Beginn der Corona-Pandemie und vermutlich wegen des damit verbundenen Ausbleibens der Touristen sind viele Höckerschwäne aus dem Luzerner Seebecken abgezogen. Sie finden dort kaum natürliche Nahrung vor und sind von den Fütterungen der Touristen abhängig.»

Wildtiere in Obwaldens Vorgärten gesichtet

Anders sieht es im Kanton Obwalden aus: An verschiedenen Orten gelangten diesen Winter Tiere in den besiedelten Bereich, nachts auf der Nahrungssuche sogar vereinzelt bis in die Vorgärten von Wohnhäusern, berichtet Cyrill Kesseli, Jagdverwalter des Kantons. Kälte, Schnee bis in die Tallagen, grosse Schneemengen in der Höhe und eine für mehrere Tage flächig geschlossene Schneedecke: Die Wettersituation ab Ende November vergangenen Jahres drängte die Wildtiere, insbesondere Rehe, Gämsen und Rothirsche, in tiefste Lagen. Kesseli räumt aber ein: «Von einer generellen Häufung solcher Situationen zu sprechen ist wahrscheinlich übertrieben.»

«Bis jetzt keinen kalten und starken Winter»

Gemäss Fabian Bieri, Fachstellenleiter Jagd und Fischerei des Kantons Nidwalden, könne man bei ihnen im Kanton dieses Phänomen nicht bestätigen – zumindest nicht mehr als in anderen Jahren. «Bis jetzt hatten wir keinen kalten und starken Winter, dadurch können wir auch nicht bestätigen, dass dieses Jahr öfters Wildtiere in Siedlungsgebiete zu sehen waren als in anderen Jahren», so Bieri.

Dasselbe lässt auch der Kanton Uri mitteilen. Gemäss Josef Walker vom Amt für Forst und Jagd ist gegenüber den letzten Jahren keine Veränderung festzustellen. Auch im Kanton Zug sei das Verhalten der Wildtiere ähnlich wie andere Jahre.

(mja)

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