ZentralschweizNidwaldenKnatsch bei den Nidwaldner Reformierten geht in eine neue Runde

Knatsch bei den Nidwaldner Reformierten geht in eine neue Runde

Kirche
Beim Knatsch in der reformierten Kirche Nidwalden gibt es eine neue Entwicklung. Die Kirchgemeindeversammlung hat das Budget 2022 abgelehnt. Dies aus Protest. Der Grund ist der Streit zwischen dem Kirchenrat und dem Redaktionsleiter des Magazins «Kirchen-News». Zudem ist der Pfarrer zurückgetreten.
Publiziert am Di 14. Dez 2021 18:43 Uhr
© Luzerner Zeitung
- Versammlung Reformierte Kirche Nidwalden 29.11.21

Am Montag, 29. November, strömten viele Kirchenmitglieder zur Versammlung nach Stansstad. Bereits Anfangs der Kirchengemeindeversammlung kam es zur ersten Überraschung. Der Pfarrer Dominik Flüeler teilte an der Versammlung mit, dass er nicht zur Bestätigungswahl antreten werde. Grund dafür seien laut Flüeler «unauflösbare divergierende Ansichte» mit dem Kirchenrat über die kirchenpolitischen Ansichten. Aber bereits vor seinem Verzicht entschied sich der Kirchenrat, keine Wahlempfehlung für Dominik Flüeler abzugeben.

Redaktionsleiter fordert hohe Entschädigungssumme

Was ebenfalls für Diskussion sorgte, war der Knatsch zwischen dem evangelisch-reformierten Kirchenrat und dem ehemaligen Redaktionsleiter der «Kirchen-News», Thomas Vaszary. Dieser wollte vor einem Jahr einen Pro- und Kontra-Beitrag über die Konzernverantwortungs-Initiative abhandeln. Jedoch verhinderte der Kirchenrat die Zustellung der Ausgabe und stellte Redaktionsleiter Vaszary per sofort frei, weil er sich gegen diese Medien-Zensur wehrte.

Ein Jahr lang sei der Konflikt zwischen dem Kirchenrat und dem Redaktionsleiter verheimlicht worden, schrieb Thomas Vaszary in einer Mitteilung. Er fordert 60'000 Franken Entschädigung, weil der Kirchenrat die Vertragsvereinbarung mit seiner Firma ausserhalb der Kündigungsfrist aufhob. Diesbezüglich versäumte der Kirchenrat angeblich auch mehrere Gesprächstermine für eine Einigung. Gemäss Wolfgang Gaede, Präsident des Kirchenrates der Evangelisch-Reformierten Kirche Nidwalden, wusste man nichts von dieser Entschädigung: «Nachdem Herr Vaszary ein Vergleichsangebot unbeantwortet liess, hat der Kirchenrat Anfang November 2021 aus der Presse erfahren müssen, dass er den Fall vor Gericht ziehen wird.» Nun ist das Ziel gemäss Gaede, bei den Schlichtungsverhandlungen eine gütliche und einvernehmliche Lösung mit Herrn Vaszary zu erzielen.

Mehrheit lehnten Budget für nächstes Jahr ab

Die Kirchenmitglieder wiesen deswegen den Antrag des Budgets 2022 zurück und forderten, dass das Budget erst abgesegnet würde, wenn die Prozesskosten und Entschädigungen von Thomas Vaszary feststünden. Dieser Forderung folgte auch die grosse Mehrheit der Anwesenden – zur bösen Überraschung des Kirchenrats.

Dieses sei nämlich im Rahmen der Jahresrechnung 2021 zu beurteilen. Bis zur nächsten Versammlung Ende Januar beziehungsweise anfangs Februar, herrscht nun ein vorerst budgetloser Zustand. Dies hat weitreichende Konsequenzen: Ab dem neuen Jahr müssen die Aufgaben auf die wichtigsten kirchlichen Dienste beschränkt werden, bis das Budget genehmigt ist. Beispielsweise dürfen Gottesdienste oder Abdankungen auf Kosten der Kirche nicht mehr musikalisch umrahmt werden und Anlässe, welche seit Jahren angeboten wurden, dürfen ebenfalls nicht stattfinden. Bei einer weiteren Ablehnung des Budgets 2022 wird der Kanton das Kirchen-Budget festsetzen.

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