Viele Flüchtlinge: Schweizer Asylzentren sind überlastet

Die Zahl der Asylsuchenden hat sich seit April verdoppelt

2000 Asylbewerber übergab der Bund den Kantonen in den vergangenen vier Wochen. Dies sind so viele wie noch nie in diesem Jahr. Den meisten Kantonen mangelt es an Platz – sie können die Asylsuchenden nicht optimal unterbringen.

Ruedi Fahrni, Asyl- und Flüchtlingskoordinator desKantons Luzern, bestätigt die angespannte Situation: „Wir erwarten, dass es längerfristig so weitergeht und müssen deshalb schauen, dass wir weitere Unterkünfte auftreiben können. Dies bedeutet, dass wir auf kantonale Gebäude, Zivilschutzanlagen, oder Hilfe der Gemeinden zurückgreifen, um die zusätzlichen Asylsuchenden zu beherbergen“. Eine weitere Vorgehensweise der Behörden ist es, Private um Häuser zu bitten und die Flüchtlinge als Mieter in zivilen Bauten unterzubringen.

Zusätzliche Matratzen in den Zimmern

Iris Bischof vom kantonalen Sozialamt Zug spricht von einer angespannten Situation: „Die Asylbewerberinnen und -bewerber müssen viel schneller auf die Unterkünfte verteilt werden und bleiben weniger lang in der Durchgangsstation. Dadurch müssen wir in den Unterkünften verdichten, also in den Zimmern zusätzliche Matrazen zur Verfügung stellen, damit alle einen Schlafplatz haben.“

Durch die Krisensituationen in Syrien und Eritrea kommen momentan täglich weitere Flüchtlinge über das Mittelmeer bis in die Schweiz.

Das grösste Problem hat der Aargau

Insgesamt fehlen in der Schweiz Hunderte von Asylplätzen. Den grössten Engpass hat der Kanton Aargau. Dort fehlen 300 Betten.

Bundesamt für Migration relativiert

Das Bundesamt für Migration (bfm) bestätigt, dass sich die Zahl der Asylgesuche seit April verdoppelt hat. Bis im April sei die Anzahl der Gesuche aber deutlich unter den prognostizierten Erwartungen geblieben, sagt Martin Reichlin Mediensprecher des bfm: „Wir rechnen mit insgesamt 24‘000 Asylgesuchen in diesem Jahr. Diese Prognose sei immer noch aktuell und könne sehr wahrscheinlich eingehalten werden.“ Am Limit laufe man aber noch lange nicht. In den Kriegsjahren des Konflikts in Ex-Jugoslawien stiegen die Asylgesuche auf jährlich bis zu 50‘000.

Audiofiles

  1. Asylgesuche habe sich seit April verdoppelt. Audio: Lukas Keusch