Der Luzerner Untergrund: Basel- und Bernstrasse

Radio Pilatus-Sommerserie - Luzern in 60 Sekunden

Das Basel-Bernstrasse-Quartier Die Stadt Luzern mit Baselstrasse, Spreuerbrücke und Nölliturm Die Baselstrasse Gemüsestand in der Baselstrasse Das Basel-Bernstrasse-Quartier Der Kreuzstutz - Scharnier zwischen Basel- und Bernstrasse Die Baselstrasse Das Basel-Bernstrasse-Quartier

Zwischen Gütsch und Reuss befindet sich das Basel-Bernstrasse-Quartier in der Stadt Luzern, kurz BaBeL genannt. Die Lage ist schattig und feucht: Der perfekte Nährboden für Krankheiten und Infektionen. Das BaBeL-Quartier hat einen schlechten Ruf. In den 90er- und den 00er-Jahren sorgte es vor allem durch Gewalt, Drogenhandel und Prostitution für Schlagzeilen. Die Ursprünge des Quartiers und die Gründe, warum es heute das ist, was es ist, liegen weit zurück in der Geschichte der Stadt Luzern.

Aussenseiterquartier seit dem Mittelalter

Das mittelalterliche Luzern hörte dort auf, wo heute der Kasernenplatz beginnt. Das alte Baslertor wies den Weg aus der Stadt Richtung Basel. Alles was in der Stadt nicht erwünscht war, wurde ausserhalb der Stadtmauern platziert. So beispielsweise im 13. Jahrhundert das Siechenhaus, zwei Krankenhäuser (eines davon für Lepra-Kranke, eines für Ausländer) und zwei Friedhöfe. Einer der Friedhöfe war ausschliesslich für Hingerichtete gedacht. Auch das 20. Jahrhundert brachte keine Veränderung für das BaBeL-Quartier, oder auch das Untergrund-Quartier, wie es früher hiess. Beim heutigen Kasernenplatz stand eine Militärkaserne, gefolgt von einem Schlachthaus, dem Sentihof-Gefängnis, einer Weiberanstalt und einem Waisenhaus, das notabene mehr einem Straflager für Kinder glich als einer Fürsorge-Stätte. Die Baselstrasse glich einer Disziplinierungsmeile. Da die Wohnungen günstig waren, zogen vor allem Wanderarbeiter, Migranten und Flüchtlinge in das Quartier. Um die Wende ins 20. Jahrhundert kamen vor allem italienische Gastarbeiter, darunter beispielsweise auch der spätere Diktator Benito Mussolini, ab den 80er-Jahren folgten schliesslich Flüchtlinge aus dem Balkan. Heute stammen die Einwanderer hauptsächlich aus Afrika oder Sri Lanka. Prostitution und florierender Drogenhandel gaben dem gebeutelten Quartier den Rest.

Multikulti und Quartieraufwertung

Die geschichtliche Entwicklung und die Vernachlässigung des Quartiers sind aber nur die eine Seite der Medaille. Im Untergrund-Quartier leben über 70 verschiedene Nationen. Die Kinderdichte ist so hoch wie in keinem anderem Luzerner Quartier. Wer die exotische Küche schätzt, findet in der Basel-Bernstrasse ein wahres Einkaufsmekka. Mit dem Quartieraufwertungsprojekt BaBeL lancierte die Stadt Luzern ein Programm, das das Quartier schrittweise aufwerten sollte. Mit Erfolg: Spielplätze und Begegnungszonen wurden saniert, die Quartierrundgänge wie Shop&Food oder Untergrundrundgang zeigen die andere Seite von Luzern. Dank der Hochschule für Kunst und Design zieht vermehrt junges Volk in das Quartier. Die Basel-Bernstrasse ist zu einer Ausgehmeile mutiert.

Weitere Infos zum BaBeL-Quartier gibt es hier.

Audiofiles

  1. Basel-/Bernstrasse - das Aussenseiterquartier. Audio: Roman Gibel
  2. Der Luzerner Untergrund: Basel- und Bernstrasse. Audio: Roman Gibel