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«Gastro und Fitness müssen ausbaden, was der Bund verpasst hat»

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Jetzt ist klar: Ab Montag gilt auch in Fitnesscentern und Restaurants eine Zertifikatsplicht. Das heisst, nur noch Geimpfte, Genesene und Getestete dürfen trainieren respektive essen gehen. Während bei den Fitnessbetreibern die Ausweitung grundsätzlich befürwortet wird, ist die Gastronomiebranche enttäuscht vom Entscheid.
Publiziert am Do 9. Sep 2021 06:30 Uhr

Barbara Schneider, Präsidentin Gastro Zug, ist enttäuscht und frustriert über den Entscheid des Bundesrates, wie sie am Mittwoch gegenüber PilatusToday und Tele 1 sagt: «Den Entscheid finde ich nicht wirklich gut. Gastronomie, Fitnessbranche und Museen müssen jetzt ausbaden, was der Bund verpasst hat. Der Bund hätte die Ferienrückkehrer testen sollen und wir müssen jetzt darunter leiden.»

Für die Wirtin des Restaurants Rössli in Oberägeri bedeutet die Zertifikatspflicht ein absoluter Mehraufwand. Jeden Gast zu kontrollieren, würde viel Zeit fressen. Zeit, in der sie Getränke oder Essen servieren könnte.

Wie sie ab nächster Woche die Kontrolle der Zertifikate umsetzen wird, sei noch unklar. Von sich aus sagte sie ehrlich, sie sei eher eine Person, welche die Kontrolle nicht so ernst nehmen würde. Die meisten Gäste kenne sie und sie habe vertrauen, dass nur die Gäste kommen, welche auch wirklich ein Zertifikat besitzen würden.

Dies könnte aber teuer werden. Wie der Bundesrat am Mittwoch an der Medienkonferenz auf eine Frage antwortete, seien Bussen bis zu 10'000 Franken möglich. Die Kantone werden aufgerufen, die Betriebe zu kontrollieren. Die Wirtinnen und Wirte müssen die Gäste kontrollieren. Gästen, die gegen die Zertifikatspflicht verstossen, droht eine Busse von 100 Franken.

Noch viele offene Fragen in der Fitnessbranche

Obwohl man beim Fitness Connection Sursee die Ausweitung befürwortet, gibt es ein grundsätzliches Problem für die ganze Branche: «Wir haben mit unseren Kunden eine Mitgliedschaftsvereinbarung. In dieser steht, dass wir Abo-Kunden Zutritt zu unserem Studio gewähren», sagt David Kuoni, Geschäftsführer von Fitness Connection Sursee, gegenüber PilatusToday und Tele 1. Personen, die sich nicht impfen oder nicht testen lassen wollen, wäre somit der Zugang ab Montag verwehrt. Bei den betroffenen Kunden werde dies zu vielen Fragen führen, befürchtet Kuoni.

Offen bleibt auch, ob sich Nicht-Geimpfte für jeden Fitnessbesuch testen oder dann eher ihr Training auslassen werden. Die finanziellen Auswirkungen für Fitnesscenter sind daher nicht abzuschätzen. Ganz begeistert ist der Geschäftsführer deshalb nicht, auch wenn er es nachvollziehen kann. «Wir als Betrieb sind wieder die Leidtragenden,» so Kuoni.

Vorerst werde man laut Kuoni das Statement des Schweizer Fitness- und Gesundheitscenter Verbands abwarten. Ein weiterer Schritt werde dann womöglich eine Station sein, bei der das Covid-Zertifikat überprüft werden kann. Ein weiterer «Mehraufwand, der vom BAG nicht entschädigt wird», so Kuoni. Das Ziel des Fitness Connection Sursee ist es, die neuen Massnahmen sinnvoll und kundenfreundlich umsetzen: «Das ist die Überlegung, die bei uns hängenbleibt – aber nicht bei der Politik.»

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